Freitag, 10 April 2009 13:36
Stefan Fügner

Eine Alternative zum Begehungsschein Empfehlung

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Ist das Grüne Abitur bestanden, stellt sich einer Vielzahl der frischgebackenen Jäger die Frage nach der ersten Gelegenheit, die Jagd auszuüben und das neuerworbene Können zu erproben. Insbesondere für die Jagdschein-Absolventen, die (noch) keine jagdlichen Kontakte in Verwandschaft und Freundeskreis haben, scheint für die praktische Jagdausübung bislang nur ein Einstieg über einen Begehungsschein möglich zu sein. Da ein Begehungsschein jedoch häufig mit Verpflichtungen einhergeht, die mit dem breiten theoretischen Wissen aus den Jagdscheinprüfungen noch nicht erfüllt werden können, wird dann ein Begehungschein regelmäßig zur unbefriedigenden Lösung für Jungjäger und Jagdpächter. Das absolut neuartige Konzept des Jagdvereins Lehrprinz versucht, die offenbar existierende Lücke zwischen “Grünem Abitur” und erstem Begehungsschein zu überbrücken.

Wer die Jagdscheinprüfungen über- und bestanden hat, weiss, dass er hierfür richtig viel lernen musste. In den Jägerlehrgängen und für die nachfolgenden Prüfungen wird ein breitgefächertes und luxeriöses Grundwissen vermittelt, für das sich alles andere als zu Unrecht der Name “Grünes Abitur” eingebürgert hat. Der Jagdschein wird den Absolventen nicht geschenkt.
Und doch: Die Erkenntnis fällt schwer, dass trotz bereits gelöstem ersten Jahresjagdschein eigentlich noch die Einführung in den praktischen Jagdbetrieb erforderlich wäre. Dabei ist es überhaupt keine Schande zu bekennen, dass man bislang in erster Linie theoretisches Wissen angehäuft hat und noch die praktische Erfahrung fehlt.
Außerdem ist es bislang in der Ausbildungssystematik der Jägers nicht vorgesehen gewesen. Wer die Jagdscheinprüfungen bestanden hat, ist zur Ausübung der Jagd berechtigt, darf allerdings noch kein Revier pachten.
Vor allem letzteres ist zu hinterfragen: Was gibt es für Alternativen zur Jagdpacht und warum ist diese erste und grundlegende Möglichkeit der Jagdausübung dem Jungjäger die ersten drei Jahresjagdscheine verwehrt.
Ohne in juristische Details zu gehen und den Willen des Gesetzgebers für diese Regelung im Einzelnen zu hinterfragen: Er wird seine Gründe gehabt haben und diese sind zweifellos in der Annahme begründet, dass ein Jungjäger in den ersten drei Jahren mutmaßlich noch nicht die erforderliche Erfahrung hat, selbst- und eigenständig die ordnungsgemäße Bejagung eines Reviers zu erfüllen.
Nur welche Alternativen bestehen denn nun zur Pacht eines Reviers und wie soll denn nun der Jungjäger zu der notwendigen Erfahrung kommen?
Bestenfalls wird er von Freunden und/oder Bekannten mitgenommen und erlangt über deren Anleitung die erforderliche und scheinbar auch gewünschte Erfahrung, sodass er nach dem dritten Jagdjahr zur Bejagung eines eigenen Reviers in der Lage ist.
Aber was ist mit denen, die über solche Kontakte nicht verfügen?: Die einzige Möglichkeit scheint derzeit der Begehungsschein.
Wird der Begehungsschein allerdings - unabhängig von der vertraglichen Gestaltung im einzelnen - in der Form ausgereicht, dass der Revierpächter dem Begehungsscheininhaber einen bestimmten Prischbezirk zuweist, in dem der Jungjäger eigenständig die Jagd ausüben soll, kann das jedenfalls bei einem Jungjäger im Zweifelsfalle nur zur Frustration führen.
Der Begehungsschein in der Form einer faktischen Unterverpachtung mag für den erfahrenen Jäger eine optimale Alternative zum eigenen Revier sein, dass er aus welchen Gründen auch immer nicht oder nicht mehr pachten will. Für den Jäger mit gerade bestandenen Prüfungen kann ein solcher im Zweifelsfalle nur zur Enttäuschung auf beiden Seiten führen, wenn der Revierpächter nicht ausnahmsweise seine Jagdpassion auch darin sieht, dem Jungjäger seine Jagderfahrung zu vermitteln, einzuführen und anzuleiten.
Zwar bestätigen Ausnahmen die Regel, selbstverständlich ist eine solche Erfahrungsvermittlung und Anleitung sicher nicht. Und vielleicht kann man es von einem Revierpächter, der einen Begehungsschein ausgeben möchte, auch einfach nicht erwarten, dass er sich der Jungjägerausbildung verschreibt.

Um diese Lücke zu schließen, um Revierpächtern diese Aufgabe nicht aufzwingen zu müssen, die sie aus welchen Gründen auch immer nicht ausfüllen wollen oder können, und dennoch Jungjägern erste Jagdgelegenheit zu bieten und die notwendige Erfahrung zu vermitteln, hat der Jagdverein-Lehrprinz nun ein Seminarangebot entwickelt. Die Jungjägerseminare, in denen die Jungjäger in Begleitung und unter Anleitung erfahrener Lehrprinzen die ersten Jagderfahrungen sammeln, versetzen sie in die Lage, den Anforderungen für einen ersten Begehungsschein nachkommen zu können.
Mitnichten wird die Idee des Begehungsscheins untergraben, sondern schlicht die hierfür erforderliche erste Jagderfahrung vermittelt und somit Begehungsschein-ausreichende Revierpächter entlastet.

 

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