Seminarberichte (5)

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Dienstag, 09 März 2010 12:14
Stefan Fügner

Ein Wochenende im Lehrrevier Empfehlung

geschrieben von

Ich treffe Stefan am Samstag vormittags im Rosencafe in Liepe. Wir trinken eine Tasse Kaffee und schauen auf die Revierkarte.
Wir schmieden einen groben Plan, was man sich angucken möchte, wo man eventuell ansitzen kann. Ohne das alles zu sehr zu konkretisieren, packen wir meinen Kram in Stefans Auto und brechen auf zu einer ersten Revierrundfahrt.

Es geht erst mal in DAS Bruch. Wiesen und Feuchtwiesen mit Pappeln und Weiden, Gräben, Dickungen und Schilfgürteln. Im Hintergrund thront das Schiffshebewerk Niederfinow. Auf dem Finowkanal sitzen diverse exotische Enten. Die Kraniche sind seit ein-zwei Wochen da. Kibitze sehen wir auch. Das Rehwild ist sehr vertraut. Läßt sich von dem Auto kaum stören. Ein Sprung mit 8 Stück steht auf 30 Meter, scheint gut durch den Winter gekommen zu sein. 5 weibliche Stücke und 3 Böcke.

Direkt neben einem Hochsitz finden wir einen Kessel (Foto Sebastian)

Die Bache hatte hier ein schönes Nest gebaut,…… (Foto Sebastian)

…. das jetzt im März aber schon wieder verlassen ist. (Foto Sebastian)

Die Wiesen sind nass aber zum Glück noch gefroren. Wir kirren ein wenig und kontrollieren Reviereinrichtungen. Anschliessend fahren wir in den oberen Revierteil. Dort ist alles völlig anders. Eine sanfte Hügellandschaft mit Landwirtschaft, kleinteiligen Wiesen, vielen Hecken und einigen Waldinseln.
Am Nachmittag setzen wir uns dann im unteren Revierteil an.
Angrenzend an ein altes Saugatter in der Hoffnung einen Frischling oder Überläufer erlegen zu können. Ich sehe viel Rehwild und einen Fuchs. Die Sauen lassen sich leider nicht blicken. Wir baumen gegen 19:30 ab, essen köstlich, gehen zeitig zu Bett, um am nächsten Morgen früh aufzustehen.

Bei klirrender Kälte und sternenklarer Nacht treffen wir uns um 5 Uhr zum Morgenansitz wieder. Vielleicht können wir das Schwarzwild auf dem Rückwechsel abpassen. Der Mond steht tief aber zum Glück haben wir noch Halbmond. Damit kann man arbeiten. Ich sitze auf einer herrlichen, alten, nostalgischen Kanzel und habe es irgendwie geschafft, meinen großen Münsterländer da hoch zu hiefen. (Hoch war einfacher als runter.)
Die Sauen höre ich mehrfach hinter mir im Bestand brechen, der Schwarzspecht rumort  auch die ganze Zeit. Im Morgengrauen schnürt dann ein Fuchs parallel zum Graben langsam mäuselnd in meine Richtung. Und dann - anstatt sich meiner Wenigkeit weiter zu nähern- verschwindet er auf 200 Metern in einem Graben und ward nicht mehr gesehen. Mist.

Das Rehwild steht jetzt eigentlich überall. Es gibt keine Wiese, keine Rictung in die ich blicken kann, auf der kein Rehwild steht. Immer wieder streichen große Gruppen von Kranichen ab. Vor mir landen noch einge Graugänse. Immer paarweise. Die Partner bleiben auch immer ganz nah zusammen. Das berührt mich irgendwie.

Am Nachmittag entschliessen wir uns, einige entlegene Nieschen des Reviers, lassen die Hunde arbeiten und stellen einen mobilen Sitz um.

Dank des Frosts sind die Wiesen passierbar: Kanzel an die Anhängerkupplung…… (Foto Sebastian)

…durch die zugefrohrene Senke…… (Foto Sebastian)

und auf den auf einem Wall gelegenen Weg herauf. (Foto Sebastian)

Die Wiesen und Gräben und Schilfgürtel sind noch voll mit Wasser. Wir besetzen den ein oder anderen Hochsitz, schauen ob alles in Ordnung ist, kontrollieren die Leitern, Sitzbretter und Auflagen und auf einmal, direkt neben uns in der Dickung, geht lautstark Eis zu Bruch. Kraaaawoommmm. Wir sind sofort jagdlich angefiebert, ich bin schnell am Auto, hole Glas und Waffe …. es kracht weiterhin:
Da ist etwas im Busch - ob wir das hochgemacht haben - was ist das bloß - kraaaaaromms - da kracht schon wieder das Eis.
Wir bleiben bestimmt eine halbe Stunde sitzen, hören immer wieder Eis brechen, können aber zu keinem Zeitpunkt sehen, was da in der Dickung für Bewegung sorgt.
Eine Möglichkeit wäre Kollege Bokert; der Biber fühlt sich im Revier pudelwohl und geht wirklich kräftig zu Werke. Habe selten so einen  fleissigen Baumeister gesehen. Der scheint aber auch etwas an Größenwahn zu leiden. Pappeln und Weiden mit einem Durchmesser von über 80cm weder freudig angenommen und hochprofessionell weiterverarbeitet! Ganz fein entastet, Äste und Zweige zu feinen Haufen gestapelt. Wie so ein kleines Kerlchen das schafft ist mir ein echtes Rätsel.

Der Biber leistet ganze Arbeit! (Foto Sebastian)

Die bevorstehende Arbeit und der Umfang des Baumes spielen für die Auswahl keine Rolle (Foto Sebastian)

Nach getaner Arbeit! (Foto Sebastian)

Wir hatten viel Anblick, ich konnte das Revier kennen lernen und komme gerne wieder, um bei Revierarbeiten zu helfen und den Lehrprinz e.V. in sonstigen Bereichen zu unterstützen.

Horrido - Sebastian


Sonntag, 04 Oktober 2009 12:56
Stefan Fügner

Entenjagd im Lehrrevier Empfehlung

geschrieben von

Abstreichende Enten über dem Finowkanal, dahinter das Niederoderbruch
Photo: Kathreen Mangatter

Am Anfang stand die Idee, mittels einer Entenjagd im Lehrrevier das nicht nur unter Jägern noch weitestgehend unbekannte Niederoderbruch bekannt zu machen, liegt es doch im östlichen Brandenburg und somit weit ab der traditionellen Urlaubsgebiete.
Über das Jagdforum Xing wurde eine Anfrage gestartet, ob Interesse besteht, eine solche Jagd zum Kennenlernen des Lehrreviers abzuhalten und spontan sagten zahlreiche Jäger des Forums zu.

Am 25.9.2009 war es dann soweit. 33 überwiegend junge Jäger, Jägerinnen und Hundeführer trafen bei herrlichem Herbstwetter im Laufe des Nachmittags im Landhof Liepe ein. Damit sich alle Teilnehmer auf die Jagd konzentrieren konnten, war die professionelle Eventphotographin Kathreen Mangatter aus Dresden angereist, um die Entenjagd auf Bildern festzuhalten. Sie stellte dem JagdBlog die hier eingestellten Bilder zur Verfügung.

Nicht wenige hatten mehrere 100 Kilometer Anreise hinter sich, sodass die bereitgestellte Bergische Kaffeetafel zur Stärkung und zum Kennenlernen der Jagdgäste großen Anklang fand.
Erfreulich war es für mich, dass das Durchschnittsalter der Jagdgäste unter 40 Jahren lag und die Idee, vor allem jungen Jägern das Lehrrevier näher zu bringen, schon in diesem Punkt ein echter Erfolg war. Viele Jagdgäste kannten sich nur aus dem Jagdforum und so bestand die Möglichkeit, sich beim Stärken nach der langen Anfahrt und vor der Jagd sich erstmals persönlich gegenüber zu sitzen.

Warten auf die Enten
Photo: Kathreen Mangatter

Nach der Begrüßung durch den Jagdherrn ging es dann in vier Jagdgruppen hinaus ins Niederoderbruch und an die Kanäle. Schon wenige Minuten nach dem Anstellen der Jagdgruppe am Finowkanal stiegen gleich mehrere große Schofe Enten gleichzeitig auf, die jedoch schnell an Höhe gewannen und unerreichbar die anderen Jagdgruppen das Niederoderbruch überflogen.
Die Hoffnung, dass die Sauen durch den Jagdlärm die Bruchwälder verlassen würden, erfüllte sich nicht, obwohl in allen Bruchwäldern, die abgestellt waren, Sauen von den angestelleten Schützen vernommen wurden.
Nach dem Abendstrich trafen dann alle Jagdgäste und Hunde wieder wohlbehalten im Landhof Liepe ein.
Die Jagdhornbläser bliesen dem Forumsmitglied Malte Dörter und seinen zwei Jagdkameraden, die bei einem Brand einer Jagdhütte in Sibirien ums Leben gekommen waren, ein letztes Halali und die Jagdgäste gedachten in einer Schweigeminute der verunglückten Jäger. Nach einigen abschließenden Worten durch den Jagdherrn wurde die Strecke verblasen und bei einem Wildschweingulasch klang der erste Jagdtag aus. Wissend um das frühe Aufstehen am nächsten Morgen endete der erste Jagdtag früh und am nächsten Morgen trafen sich alle Jagdgäste pünktlich um 5.15 Uhr vor dem Hotel zum gemeinsamen Morgenstrich.
Diesmal kam auch das Schützenboot, das am Abend leider auf dem Weg vom Webellinsee an den Oder-Havel-Kanal aufgehalten worden war, zum Einsatz.

Als ich gegen 6.15 Uhr im Niederoderbruch Richtung Osten schaute, um den Sonnenaufgang zu beobachten, zeigte sich das Niederoderbruch von seiner allerbesten Seite:
Während es im Osten langsam heller wurde und noch einige Sterne am Himmel funkelten, lag vor mir ein Schilfgürtel, dahinter noch im Morgendunst die “Honeckerkanzel”, ein Relikt aus der Zeit, als das Oderbruch noch Staatsjagdgebiet war. Weiter Richtung Osten ragte der Kirchturm von Bralitz aus dem dichten Nebel in den Morgenhimmel und die ersten Kraniche zogen aus ihren Schlafplätzen im Norden laut trompetend ins Oderbruch.
Jägerherz, was willst Du mehr!

Sonnenaufgang im Niederoderbruch
Photo: Kathreen Mangatter

Als gegen 9.00 Uhr Schützen , Hundeführer und Hunde wieder wohlbehalten am Landhof eintrafen, fehlten noch einige Hundeführer und die Bootsbesatzung. Der Einsatz des Schützenbootes hatte sich als unabdingbar herausgestellt, da viele Enten erst durch den Bootseinsatz zum Aufsteigen zu bewegen waren. Hätte das Boot auch am Abend zur Verfügung gestanden, wäre die Strecke sicherlich größer gewesen.
Im Laufe des Jägerfrühstücks trafen dann auch die Bootschützen und Hundeführer , die einige Enten nachsuchen mussten, ein und bei herrlichem sonnigem Herbstwetter fand dann die Abschlussbesprechung im Gutshof des Landgutes statt.
Mit 11 Enten und einer Taube fiel die Strecke in Anbetracht der vorgekommenen Enten dürftig aus. Dies ist aber auf das Vorkommen der Enten an nur einigen wenigen Ständen zurückzuführen, sowie auf eine noch zu verbessernde Tarnung der angestellten Schützen. Auch der erfolgreiche Einsatz des Bootes am Morgen zeigte, dass der Einsatz von Booten entscheidend für den Jagderfolg ist.

Nach der Abschlussbesprechung lud Familie Lipps alle Jagdgäste noch zu einem kleinen Empfang auf das Lieper Vorwerk ein, was von vielen Jagdgästen, die es nicht eilig hatten, angenommen wurde.
Hier konnten sich die Jagdgäste ein Bild von der hügeligen Endmoränenlandschaft machen, die an das Niederoderbruch angrenzt, und doch so anders ist. Bei einem herrlichen Blick über das Niederoderbruch genossen die Jagdgäste den sonnigen Herbsttag und müde, aber zufrieden traten gegen 15.00 Uhr die letzten Gäste die Heimreise an.

Fazit:
Für mich war es ein großer Erfolg, so vielen jungen Jägern die einmalige Landschaft des Niederoderbruchs näher zu bringen. Zudem haben die ausnahmslos sehr disziplinierten, überwiegend jungen Jäger bewiesen, dass es möglich ist, eine Jagd zu organisieren, ohne die Teilnehmer persönlich zu kennen.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass von den Anstellern das disziplinierte Verhalten der Jagdgäste explizit gelobt wurde und kein einziger Jagdgast Anlass zur Klage gab.
Besonders hat es mich gefreut, dass ich viele Verbesserungsvorschläge erhalten habe und sich spontan einige Gäste bereit erklärten, mich beim nächsten Mal bei der Vorbereitung aktiv zu unterstützen.
Auch Familie Lipps war angetan von den vielen jungen und disziplinierten Jägern.
Meine Idee, die Entenjagd als feste Veranstaltung im Niederoderbruch zu etablieren, wurde sofort begrüßt und ich kann schon jetzt sagen:
“Wir freuen uns jetzt schon auf die Entenjagd 2010″

waidmannsheil

Euer

stefan

 

 

Freitag, 10 April 2009 13:36
Stefan Fügner

Eine Alternative zum Begehungsschein Empfehlung

geschrieben von

Ist das Grüne Abitur bestanden, stellt sich einer Vielzahl der frischgebackenen Jäger die Frage nach der ersten Gelegenheit, die Jagd auszuüben und das neuerworbene Können zu erproben. Insbesondere für die Jagdschein-Absolventen, die (noch) keine jagdlichen Kontakte in Verwandschaft und Freundeskreis haben, scheint für die praktische Jagdausübung bislang nur ein Einstieg über einen Begehungsschein möglich zu sein. Da ein Begehungsschein jedoch häufig mit Verpflichtungen einhergeht, die mit dem breiten theoretischen Wissen aus den Jagdscheinprüfungen noch nicht erfüllt werden können, wird dann ein Begehungschein regelmäßig zur unbefriedigenden Lösung für Jungjäger und Jagdpächter. Das absolut neuartige Konzept des Jagdvereins Lehrprinz versucht, die offenbar existierende Lücke zwischen “Grünem Abitur” und erstem Begehungsschein zu überbrücken.

Wer die Jagdscheinprüfungen über- und bestanden hat, weiss, dass er hierfür richtig viel lernen musste. In den Jägerlehrgängen und für die nachfolgenden Prüfungen wird ein breitgefächertes und luxeriöses Grundwissen vermittelt, für das sich alles andere als zu Unrecht der Name “Grünes Abitur” eingebürgert hat. Der Jagdschein wird den Absolventen nicht geschenkt.
Und doch: Die Erkenntnis fällt schwer, dass trotz bereits gelöstem ersten Jahresjagdschein eigentlich noch die Einführung in den praktischen Jagdbetrieb erforderlich wäre. Dabei ist es überhaupt keine Schande zu bekennen, dass man bislang in erster Linie theoretisches Wissen angehäuft hat und noch die praktische Erfahrung fehlt.
Außerdem ist es bislang in der Ausbildungssystematik der Jägers nicht vorgesehen gewesen. Wer die Jagdscheinprüfungen bestanden hat, ist zur Ausübung der Jagd berechtigt, darf allerdings noch kein Revier pachten.
Vor allem letzteres ist zu hinterfragen: Was gibt es für Alternativen zur Jagdpacht und warum ist diese erste und grundlegende Möglichkeit der Jagdausübung dem Jungjäger die ersten drei Jahresjagdscheine verwehrt.
Ohne in juristische Details zu gehen und den Willen des Gesetzgebers für diese Regelung im Einzelnen zu hinterfragen: Er wird seine Gründe gehabt haben und diese sind zweifellos in der Annahme begründet, dass ein Jungjäger in den ersten drei Jahren mutmaßlich noch nicht die erforderliche Erfahrung hat, selbst- und eigenständig die ordnungsgemäße Bejagung eines Reviers zu erfüllen.
Nur welche Alternativen bestehen denn nun zur Pacht eines Reviers und wie soll denn nun der Jungjäger zu der notwendigen Erfahrung kommen?
Bestenfalls wird er von Freunden und/oder Bekannten mitgenommen und erlangt über deren Anleitung die erforderliche und scheinbar auch gewünschte Erfahrung, sodass er nach dem dritten Jagdjahr zur Bejagung eines eigenen Reviers in der Lage ist.
Aber was ist mit denen, die über solche Kontakte nicht verfügen?: Die einzige Möglichkeit scheint derzeit der Begehungsschein.
Wird der Begehungsschein allerdings - unabhängig von der vertraglichen Gestaltung im einzelnen - in der Form ausgereicht, dass der Revierpächter dem Begehungsscheininhaber einen bestimmten Prischbezirk zuweist, in dem der Jungjäger eigenständig die Jagd ausüben soll, kann das jedenfalls bei einem Jungjäger im Zweifelsfalle nur zur Frustration führen.
Der Begehungsschein in der Form einer faktischen Unterverpachtung mag für den erfahrenen Jäger eine optimale Alternative zum eigenen Revier sein, dass er aus welchen Gründen auch immer nicht oder nicht mehr pachten will. Für den Jäger mit gerade bestandenen Prüfungen kann ein solcher im Zweifelsfalle nur zur Enttäuschung auf beiden Seiten führen, wenn der Revierpächter nicht ausnahmsweise seine Jagdpassion auch darin sieht, dem Jungjäger seine Jagderfahrung zu vermitteln, einzuführen und anzuleiten.
Zwar bestätigen Ausnahmen die Regel, selbstverständlich ist eine solche Erfahrungsvermittlung und Anleitung sicher nicht. Und vielleicht kann man es von einem Revierpächter, der einen Begehungsschein ausgeben möchte, auch einfach nicht erwarten, dass er sich der Jungjägerausbildung verschreibt.

Um diese Lücke zu schließen, um Revierpächtern diese Aufgabe nicht aufzwingen zu müssen, die sie aus welchen Gründen auch immer nicht ausfüllen wollen oder können, und dennoch Jungjägern erste Jagdgelegenheit zu bieten und die notwendige Erfahrung zu vermitteln, hat der Jagdverein-Lehrprinz nun ein Seminarangebot entwickelt. Die Jungjägerseminare, in denen die Jungjäger in Begleitung und unter Anleitung erfahrener Lehrprinzen die ersten Jagderfahrungen sammeln, versetzen sie in die Lage, den Anforderungen für einen ersten Begehungsschein nachkommen zu können.
Mitnichten wird die Idee des Begehungsscheins untergraben, sondern schlicht die hierfür erforderliche erste Jagderfahrung vermittelt und somit Begehungsschein-ausreichende Revierpächter entlastet.

 

Dienstag, 20 Mai 2008 13:37
Stefan Fügner

Das Jungjägerseminar aus Sicht eines Teilnehmers

geschrieben von

Als sich die ersten Teilnehmer zum Jungjägerseminar des Jagdvereins Lehrprinz e.V. anmeldeten, war es nicht nur Vorfreude auf einige Jagdtage. Ein wenig Lampenfieber hatte ich schon, als ich nach Usedom aufbrach und mir die Leitung des ersten Jungjägerseminars bevorstand.

Doch die Eindrücke dieses Seminars lassen sich am Besten von einem Teilnehmer selbst schildern.

Hier der erste Bericht über das Jungjägerseminar auf Usedom von Uwe Paschedag

Jungjägerseminar auf Usedom vom 14.5-18.5.2008

Als Jungjäger eine erste Jagdmöglichkeit zu finden, ist nicht einfach. Insbesondere dann nicht, wenn man ursprünglich aus der Stadt kommt und keine Personen mit jagdlichem Bezug in der Familie oder im Freundeskreis hat und wenn die Kriegskasse nicht prall gefüllt ist, um sich mal eben für ein paar Tausend Euro einen Begehungsschein zu kaufen.

Dies war die ernüchternde Erfahrung, nachdem ich im Mai 2007 die Jägerprüfung bestanden hatte und erwartungs- und hoffnungsvoll in den örtlichen Hegering eingetreten war. Und aus den wenigen Hoffnungsschimmern, die sich im Laufe der nächsten Monate ergaben, wurde leider nichts. Zum Jahresende gab es dann aber doch eine Einladung zu einer Drückjagd in einem kleinen Waldrevier, die zwar für alle erfolglos verlief, mir aber erstmals Gelegenheit bot, meinen schönen alten Drilling auszuführen. Außerdem durfte ich danach noch ein paar mal alleine in dem Revier ansitzen. Viel Wild erschien dabei nicht auf der Bühne, doch die 2 oder 3 Stücke Rehwild, die ich insgesamt bei den rund 10 Ansitzen sah, reichten aus, mir zu zeigen, wie schwierig es ist, Wild in der Praxis anzusprechen um innerhalb von Sekunden zu einer zweifellos richtigen Entscheidung zu kommen. Ebenso das Aufbrechen und Versorgen von erlegtem Wild hatte ich zwar im Rahmen der Vorbereitung auf die Jägerprüfung in der Theorie gelernt, dies praktisch umzusetzen ist aber etwas ganz anderes. Im Februar dann mit dem Hegering zu einer Taubenjagd – das war’s soweit erst mal. Und mit dem Wissen um mein Unwissen einen Jagdurlaub oder ein Jagdwochenende zu buchen, wäre mir viel zu peinlich gewesen. Mir wurde also klar, dass ich ohne praktische Anleitung, wie es normalerweise üblich sein sollte, nicht weiter kommen würde.

Und dann fand ich im Jagdblog im März den Hinweis auf die Gründung des Vereins Lehrprinz e.V. und das Jungjägerseminar. Das kam wie gerufen – denn es versprach die Lösung meines Problems. Der Lehrprinz e.V. hatte offenbar genau diesen Missstand erkannt und wirkt dem durch seine Zielsetzung und das Programm entgegen.

Also schnell Kontakt zum Vorsitzenden Stefan Fügner aufgenommen und das erstmals stattfindende 5-tägige Seminar auf Insel Usedom fest gebucht. Zu einer angemessenen Kostenerstattung sollte es die Jagd auf einen geringen Bock per Ansitz und Pirsch täglich morgens und abends unter Anleitung mit allem, was dazu gehört, enthalten. Außerdem tagsüber die Ausbildung von Jagdhunden und ggf. Unterweisung im Jagdhornblasen. Unterkunft und Verpflegung ebenfalls inklusive.

So wartete ich mit Spannung auf den 14. Mai, an dem es losgehen sollte. Dann, 4 Wochen vor Seminarstart, erhielten wir zuhause Rudelzuwachs in Form eines 2 ½ Jahre alten Golden Retrievers, der bislang leider nicht viel Erziehung genossen hatte. Ihn während des Seminars zuhause zu lassen wäre unmöglich gewesen. Also kurz Seminarleiter Stefan Fügner kontaktiert, ob ich unseren 33 Kilo Rüpel denn wohl mitbringen könnte. Stefan stimmte sofort zu, was sich auch später noch als „Gold wert“ herausstellen sollte.

Mittwochmorgens am 14. fuhr ich mit meinem Halbstarken dann also ab in Richtung Usedom und kam um 17 Uhr an.

Gerade eingetroffen und vorgestellt, ging es auch schon gemeinsam mit Bodo - einem weiteren Seminarteilnehmer, Stefan und Uli vom Verein Lehrprinz und Herrn von Rochow als Jagdleiter in dessen erstaunlich geländegängigem VW-Bus los in das über 700 ha große Jagdrevier am Peenestrom, das nicht landwirtschaftlich genutzt wird und schon beim ersten Anblick atemberaubend erschien. Die weit überschaubare und abgelegene Hügellandschaft mit Mischwald, Bauminseln, Büschen, Wiesen und Bächen bietet wohl dem Wild alles in Hülle und Fülle, was es braucht.

Zusammen mit Herrn von Rochow besetzte ich eine Kanzel an einer Waldschneise. Und was wir bei diesem ersten Abendansitz bereits sahen, dürfte wohl manch einem Jäger sein Leben lang verwehrt bleiben. Insgesamt wohl an die 14 Stücke Rotwild wechselten nach und nach aus dem Waldrand zum Äsen auf die Lichtung und wieder zurück. Zwischendurch sah ich einen recht großen Greif in einem Baumwipfel verschwinden. Beim Blick durch das Fernglas wollte ich meinen Augen kaum trauen. Ein adlerförmiger Kopf, gelbe Ständer – tatsächlich: ein Seeadler (!), wie mir Herr von Rochow bestätigte. Rehwild sah ich an diesem Abend nicht, aber das sollte sich in den folgenden Tagen ändern. Bodo und Stefan hatten auf Ihrer Kanzel Rehwild bestätigt und auch Uli, der das Wild mit der Kamera schießt, hatte Rehwild gesehen.

Zurück in Heringsdorf konnte ich dann erst mal unser komfortables Quartier in Form einer ausgezeichnet ausgestatteten Wohnung im Haus von Herrn Rochow beziehen und nach einer Stärkung wurde es auch schon Zeit für die Nachtruhe, um für den Morgenansitz, der Aufstehen gegen 4 Uhr bedeutete, wieder fit zu sein.

Nach dem Morgenansitz auf einer anderen Kanzel, bei der wir wieder Rotwild, aber auch Rehwild ansprechen konnten, gab es dann erst mal ein ausgiebiges Frühstück.

Im Anschluss ging’s gemeinsam mit Bodos kleiner Münsterländer Hündin Casie, Stefans Deutsch-Kurzhaar Joe und meinem Halbstarken Golden Retriever Bobby raus ans Achterwasser zwecks Hundeausbildung. Während Casie schon auf Abi-Niveau ausgebildet ist und Joe noch mit Konzentrationsschwächen und seiner eigenen Energie zu kämpfen hat, musste mein Rüpel erst mal in die Grundschule. Als erfahrener Hundeausbilder erkannte Stefan ziemlich schnell Bobys Schwächen und Stärken und mit seiner Unterstützung gelang es schnell, ihm grundsätzliche Manieren bei zu bringen, was die 6 vorherigen Besitzer dieser armen und doch so wunderbaren Fellnase vorher nicht zu Stande gebracht hatten. Drill Sergeant Stefan stellte fest, dass Boby nicht aus der Zucht-Richtung der Show-Linien, sondern aus einer Arbeitslinie kommt und dementsprechend gefordert werden muss. Insgesamt konnte ich viele Tipps über Bobys richtige Ausbildung mit nehmen. Seit dem Seminar habe ich als Nebeneffekt quasi einen anderen Hund und auch ein anderes Verständnis für meinen Vierläufer.

Nach der mittäglichen Hundeschule gab’s dann noch eine kleine Ruhepause für alle und nach einer Stärkung bereiteten wir uns schon wieder für den Abendansitz vor. Dieser Rhythmus wurde im Großen und Ganzen über den ganzen Zeitraum beibehalten.

Bei jedem Besuch im Revier wurde eine andere viel versprechende Kanzel belegt, in deren Nähe im Vorfeld außerhalb der eigenen Schussentfernung Wild angesprochen werden konnte. Und bei jedem Ansitz gab es vielfältig Wild zu sehen. Rehwild, Rotwild, Schwarzwild, Fuchs und Hasen zeigten sich regelmäßig auf der Bühne und auch der Seeadler ließ uns nicht alleine. Überhaupt war auch die Artenvielfalt der gefiederten Einheimischen beachtlich.

Die Zusammenstellung der Seminarteilnehmer/Lehrprinz-Teams wechselte dabei immer wieder ab, so dass möglichst viel Wissen und Erfahrungswerte vermittelt werden konnte. Und wenn der Ansitz mal nicht so viel brachte, dann gings eben auf die Pirsch, denn auch das will unter Berücksichtigung vielfacher Faktoren wie auch das Verhalten auf dem Hochsitz gelernt sein.

Neben dem Ansitz und der Pirsch lernten wir durch „learning by doing“ im Revier von Herrn von Rochow aber auch Praktisches z.B. über das Anlegen einer Sauenkirrung und eines Wildackers und über den Bau von Ansitzeinrichtungen.

Am Freitag am frühen Abend hatten wir dann Gelegenheit, ein weiteres Revier im Landesinneren kennen zu lernen, das landwirtschaftlich genutzt wird und in dem es in einem Maisschlag starken Wildschaden durch Schwarzwild gibt. Der klare blaue Himmel ließ für nachts auf gutes Vollmondlicht hoffen, so dass dem Ansitz auf Rehwild in diesem Revier ein spannender Nachtansitz am Feldrand auf die schwarzen Koffer folgen sollte. Leider machte uns das Wetter aber dann doch einen Strich durch die Rechnung, denn dunkle Wolken ließen später nicht das erforderliche Mondlicht für einen nächtlichen Ansitz auf Schwarzkittel durch. Jedoch wurden mein Lehrprinz Stefan und ich Zeugen eines ungewöhnlichen Naturschauspiels, als plötzlich ein Reh ein anderes über die Bühne jagte. Spontan gingen wir von einem Bock aus, der jahreszeittypisch einen Jährling aus seinem Revier vertreibt und ich hatte schon fast meinen schönen alten Drilling im Anschlag, als Stefan erkannte, dass es ein Bock war, der eine Ricke trieb – wie in der Paarungszeit - und das schon im Mai!

Da der Nachtansitz also ausfiel, konnten wir am Samstagmorgen wieder in das Revier auf Usedom, wo wir in den Tagen zuvor ja nun schon das eine oder andere Reh als „passend“ angesprochen hatten. Für Bodo sollte dies, da er bereits am Samstag abreisen musste, schon die letzte Möglichkeit sein, seinen ersten Jährling zu erlegen, doch das Jagdglück war nicht auf seiner Seite.

Ich selbst konnte zusammen mit Herrn von Rochow als Lehrprinz auf dem Pirschgang ein Schmalreh ansprechen, das friedlich auf einer Lichtung äste. Dieses Schmalreh hätte ich ohne weiteres strecken dürfen, jedoch hatte ich ja noch etwas Zeit und so ließ ich in der Hoffnung auf einen kleinen Trophäenträger den Finger gerade und wünschte dem Schmalreh einen schönen Tag.

Für Bodo wurde es am Vormittag dann schon Zeit für die Heimreise, nachdem die Bereifung seines Wohnanhängers wieder unter tatkräftiger Mithilfe von Stefan fit gemacht war. Viel zu schnell war das Seminar rum gegangen und gern hätte man noch mehr Zeit zusammen verbracht, um auch noch mehr spannendes Wissen aufnehmen zu können.

Nach einem nachmittäglichen Ausflug mit den Fellnasen Bobby und Joe und Drill Sergeant Stefan über die Strandpromenade unter Lerneinheiten und Austoben am Strand wurde es nach einer anschließenden zünftigen Stärkung schon Zeit auch für meinen letzten Abendansitz.

Herr von Rochow schlug vor, noch mal das Revier im Landesinneren zu wählen, da er dort einige Zeit zuvor gleich ein paar Rehböcke gesichtet hatte, von denen sicher einer der Richtige sei. Denn in dem großen Revier schien das Geschlechterverhältnis beim Rehwild aktuell stark in Richtung Ricken zu tendieren, was dort die Chancen schlechter erscheinen ließ. Der verregnete Nachmittag versprach dabei die günstigste Voraussetzung zu sein, dass das Rehwild auch tatsächlich auf die Lichtung heraustreten würde. Durch die eng werdende Zeit in Kombination mit den günstigen Voraussetzungen war die Erwartungshaltung dann natürlich bei allen hoch.

Doch man kann Diana nicht zwingen und so sollte uns das Jagdglück an diesem Abend auf der Kanzel versagt bleiben. Das Rehwild ließ sich nicht sehen, allein eine Fähe schnürte über die schöne abgelegene Lichtung. Doch auch dieser Ansitz war lehrreich, denn warum war es wohl eine Fähe? Und warum geht man wohl ausgerechnet mittig über die Lichtung auf den Hochsitz zu? Als wir den Ansitz abbrachen, weil es zu dunkel wurde, um Wild noch richtig ansprechen zu können, sahen wir in einiger Entfernung noch ein Stück Kahlwild in der Waldinsel verschwinden, das wohl in der Wiese gelegen hatte.

Herr von Rochow sammelte uns dann mit seinem Bully wieder auf und auf der Rückfahrt ins Quartier machten sich bei mir dann doch die vielfältige Aktivität und der wenige Schlaf der letzten Tage bemerkbar, die im übrigen wie im Flug und viel zu schnell vorüber gegangen waren. Im Quartier angekommen, überließ man mir die Entscheidung für oder gegen einen letzten Morgenansitz. Da Lehrprinz Stefan und unsere hilfreiche Hand Uli und ich aber am kommenden Sonntag noch hunderte von Autobahnkilometern vor uns haben sollten und wir alle eh schon ziemlich geschafft war, siegte die Vernunft bei der Entscheidungsfindung, so dass ich dem Ausschlafen Vorrang einräumte. Dies sollte sich auch als unbedingt richtig erweisen.

Am nächsten Morgen gings also nach einem ausgiebigen Frühstück und der Verabschiedung auf die Heimreise. Übrigens auch ohne Abschuss nicht ohne Trophäe, denn auf einem der Reviergänge hatte ich eine Abwurfstange gefunden.

Herr von Rochow bedauerte, dass wir nun leider keinen Erfolg gehabt hätten, doch dem musste ich widersprechen. Denn erfolgreich war das Seminar für uns Jungjäger auf jeden Fall, ein erster Abschuss hätte lediglich den krönenden Abschluss ausgemacht.

Die Zielsetzung des Seminars und meine Erwartungen wurden auf jeden Fall erfüllt und teilweise auch weit übertroffen. Nie hätte ich mit einer so großen Wilddichte und Artenvielfalt gerechnet. So konnte natürlich das Ansprechen von Wild optimal geübt werden und es wurde niemals langweilig, weil es immer etwas Neues zu Lernen gab.

Wie bereits erwähnt, machte für mich persönlich auch die Hundeausbildung unter der erfahrenen Führung Stefans einen entscheidenden Teil des Tagesablaufs aus, so dass ich am Ende tatsächlich einen anderen Hund mit nach Hause nehmen konnte.

Durch die Vielzahl der Aktivitäten von früh morgens bis spät abends blieb nur leider kaum Zeit für einen schönen geselligen Teil am Abend. Schade vor allem, weil die Chemie der Gruppe stimmte und es in gemütlicher Runde bei einem guten Tropfen sicher auch noch viel zu erzählen gegeben hätte. Aber das Seminar fand ja erstmals statt und so galt es für alle, zunächst erst mal Erfahrungen zu sammeln. Und auch wenn es nur ein Nebenaspekt des Seminars war, den ersten Rehbock hätten wir schon ganz gerne für uns verbucht – und den kriegt man eben nur im Revier - und nicht beim Bier.

Ein weiterer positiver Aspekt gerade für mich als Jungjäger ohne gute jagdliche Verbindungen sind die sicher nicht zu unterschätzenden Kontakte, die sich durch solch ein Seminar ergeben.

Für mich steht auf jeden Fall fest, das ich die Seminare des Lehrprinz e.V. regelmäßig frequentieren werde, bis ich mich fit fühle – denn es gibt noch viel zu Lernen. Prädikat: ausgesprochen empfehlenswert

Ein großes Dankeschön für Ihre unermüdlichen Bemühungen, uns mit dem ganzen notwendigen „Drumherum“ zu versorgen und uns die Seminarinhalte zu vermitteln möchte ich abschließend an unsere beiden Lehrprinzen, Stefan Fügner und Hubertus von Rochow richten und auch an Ulrich Döring, der das ganze Seminar hilfreich begleitet hat.

U. Paschedag, Warstein

Als der Jagdverein Lehrprinz e.V. Anfang des Jahres seine Arbeit aufnahm, war es an der Zeit, das erste Seminar für Jungjäger zu starten. Im Januar hatte ich mir bereits einen Eindruck vom Wildreichtum auf der Insel Usedom gemacht und mich entschlossen, mit Hubertus von Rochow als zweitem Lehrprinzen dort das Jungjägerseminar abzuhalten.

Wir hatten uns auf eine Woche Mitte Mai geeinigt, da in dieser Zeit das Rehwild besonders aktiv ist und somit Ansitze zahlreichen Wildanblick versprechen.

Die Resonanz auf die Beschreibung des Seminars war zunächst groß. Am Ende meldeten sich nur zwei Teilnehmer an. Das stellte sich später als Glücksfall heraus, da beide Teilnehmer mit ihren Hunden anreisten und wir unsere ganze Aufmerksamkeit den beiden Jungjägern widmen konnten.

Am Freitag, den 9. Mai ging es dann auf die fast 900 km lange Reise. Zwei große Jagdtaschen, zahlreiche Jagdutensilien, zwei Waffen wurden in der VW Doppelkabine verstaut und oben auf allem tronte DK Rüde Joe in seinem Körbchen.

Wenn man dann mit 90 km/h über die Autobahn fährt, ist da nicht nur die Vorfreude auf einige Jagdtage. Auch viele Fragen gehen einem durch den Kopf. Wie wird das Wetter? Werden wir genügend Anblick haben? Werden sich Hunde und Jäger vertragen?

Doch alles der Reihe nach.

1. Die Reviere:
Den Jungjägern standen gleich mehrere völlig unterschiedliche Reviere zur Verfügung. Das eigene Revier des Herrn von Rochow, ein reines Waldrevier mit zahlreichen Kirrungen und Wildäckern. Das zweite Revier, das bejagt wurde, liegt auf einer Halbinsel der Insel Usedom und ragt in das Achternwasser, den Mündungsarmen der Peene hinein. Extensiv bewirtschaftete Wiesen mit verlandeten Seen, Kiefernwäldern und einem Bachlauf bestimmen hier das Bild der Landschaft. Die völlige Abgeschiedenheit, die Wiesen, der Bach und das nahe verschilfte Ufer gaben diesem Jagdbogen eine ganz besondere Note.
Auch ein etwas weiter vom Quartier gelegenes 3. Revier lag abseits der Touristenströme und bot den Seminateilnehmern einen Einblick in die Landschaft und das Jagen in Mecklenburg-Vorpommern.

Karge Wiesen, Kiefernwälder und verlandete Seen prägen das Bild der Landschaft auf Usedom

In Mecklenburg, in Mecklenburg, da sind wir durch den Raps gegurkt.

2. Die Teilnehmer:
Die wichtigste Frage vor dem Seminar war, ob sich Jungjäger und Lehrprinzen verstehen. Doch alle Bedenken lösten sich schnell in Luft auf. Obwohl auch die komfortabelste Ferienwohnung bei 3 Hunden und 4 Bewohnern eng wird, kamen alle Bewohner bestens miteinander aus. Der oft enge Zeitplan mit Morgenansitz, Frühstück, Hundearbeit, Revierfahrten und Abendsansitz forderte von allen Beteiligten eine hohe Disziplin. Auch der Golden Retriever Rüde Bobby, mit sichtlichen Anfangsproblemen im Gehorsam, war schnell “eingenordet” und fügte sich dem streng geregelten Tagesablauf.

3. Die Hunde:
Da beide Jungjäger ihre Hunde mitbrachten und viel Arbeit notwendig war, war ich froh, dass das Seminar sich nur auf 2 Teilnehmer begrenzte. Schon ein 3. Teilnehmer hätte eine optimale Beteuung nicht mehr gewährleisten können.
Die zahlreichen menschenleeren Uferbereiche mit Schilfgürteln boten ideale Bedingungen, um mit den Hunden die Wasserarbeit zu vertiefen.
DK Rüde Joe hatte ich mitgenommen, weil ich weiß, wie sehr sein Ehrgeiz geweckt wird, wenn er anderen Hunden beim Arbeiten zusehen muss. Meine Idee ging auch voll auf. Verbissen arbeitete Joe an seinen Apportierfähigkeiten, als er sah, wie gut die anderen Hunde den Fuchsdummy und das Apportel aus dem Wasser holten. Zudem kam es beim Jungjägerseminar zu einer kleinen Liebesgeschichte. Joe hatte sich in die Kleine Münsterländer Hündin Cassie verliebt. Während der Ruhephasen lag er neben ihr und wich ihr nicht mehr von der Seite. Sichtlich verliebt bewunderte er seine Angebetete.

Obwohl der Apport nicht sein Lieblingsfach ist, aktivierte die Arbeit der anderen Hunde seinen Ehrgeiz.Joe bei der Wasserarbeit.

Da strahlt der Ausbilder!

Cassie

Cassie ist eine für Münsterländer ungewöhnlich ruhige Vertreterin. Es ist ein Augenschmaus, ihr bei der Quersuche zuzusehen. Ruhig und gründlich pflügt sie, ständig die Nase im Dreck, durch die Wiesen. Nur mit der Nähe zum Führer klappt es noch nicht, aber die Arbeit, den Hund enger an den Führer zu binden, machte bereits an den Tagen des Seminars Fortschritte. Die sensible Hündin, wegen Schussscheue als unbrauchbar abgegeben, hatte wohl den falschen Führer. Mit Bodo, ihrem neuen Herrn, wächst ein harmonisches Gespann heran, was große Hoffnungen weckt. Die zarte sensible Hundin paßt zu ihrem Führer, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Nicht nur der Dummy,…

…sondern auch den schweren Apportierbock bringt die zarte Cassie sicher zu Führer.

Üben der Quersuche auf den Wiesen am Rande des Achternwasser

Bobby

Bobby, der Golden Retriever Rüde, ist ein Paradebeispiel völligen Versagens unkundiger Tierschützer. Scheinbar hatte niemand erkannt, dass Bobby kein Kuschelretriever ist, sondern deutlich alle Anzeichen einer Arbeitslinie in sich trägt. Diese völlig Fehleinschätzung führte dazu, dass es Bobby in 2 1/2 Jahren auf 6 Besitzer brachte.
Schon nach einigen Übungen am Grundgehorsam besserte sich sein anfänglich rüpelhaftes Verhalten. Doch am Wasser kam dann sein eigentlicher Arbeitswille zum Vorschein. Zwar paddelte er noch unbeholfen im Wasser, was bewies, dass Bobby bisher kaum am Wasser gearbeitet worden war, aber das schwere Apportel griff er ohne zu zögern und brachte es zum Ufer. Schnell begriff Bobby, was man von ihm will und die 4 Tage Seminar haben die ersten Weichen gestellt, dass Uwe wohl nun sein letzter Besitzer sein wird. Für mich der größte Erfolg auf dem Seminar.

Bereits am ersten Tag bringt Bobby das schwere Apportel…

…und bringt es tragend ans Ufer

 

Auch am Gehorsam wurde gearbeitet: Bobby wartet auf den Führer an der offenen Autotür

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Joe und Bobby üben das Ablegen.

Nach der Hundearbeit genossen alle die Stille und Ruhe der Insel

4. Revierarbeiten:
Das Ansprechen und Jagen sollte im Mittelpunkt des Seminars stehen. Doch auch ein wenig Informationen über Revierarbeiten sollten nicht fehlen, weshalb wir an einem Tag eine Revierfahrt zu den Kirrungen unternahmen und der der Bau zweier einfacher Erdsitze wurde in Angriff genommen.
Insbesondere das ausgeklügelte System der Beschickung der Kirrungen stieß auf großes Interesse. Es wurde aber auch klar, mit welch hohem Aufwand eine relativ kleine Jagd betreut werden muss, um am Ende eines Jagdjahres eine passable Strecke vorweisen zu können.

So muss es sein:

 

Die Lehrprinzen arbeiten…

…und die Jungjäger fachsimpeln!

Auch die Hunde nutzen gern die Suhlen.

Lesen und einstellen der Wilduhr

 

Wildackerbestellung

5. Ansitze:
Auf das Üben des Ansprechens hatten wir das besondere Augenmerk gelegt, weshalb beide Jungjäger zu allen Ansitzen begleitet wurden. Hier hatten wir großes Glück. Das Revier verfügte über einen besonders guten Wildbestand. Zudem hatte man von den Sitzen einen weiten Blick über das Tal und der Termin des Seminars war optimal gewählt, denn wir konnten das Rehwild in einer sehr bewegungsaktiven Zeit beobachten.
Von den Anblicken, die wir hatten, war selbst ich überrascht. Manchmal lief der Ansitz ab wie im Kino. Es konnte nicht nur Rehwild, sondern auch Rotwild und Sauen angesprochen werden. Und wenn dies gerade mal nicht da war, wer es ein Fuchs, der Seeadler oder irgedwelche seltenen Vogelarten, die den Ansitz jedesmal zu einem Erlebnis machte.
Als Pirschjäger kam auch ich an einem Abend auf meine Kosten. Einen weit entfernten Spießer im Bast haben wir angepirscht und kamen bis auf wenige Meter an ihn heran, aber mit der schnellen routinierten Schussabgabe wollte es dann doch nicht klappen, aber versucht hatten wir es und das war es allemal wert gewesen.

Fazit:
Auch wenn es mit dem Erlegen eines Jährlingsbockes nicht geklappt hat, so war das Jungjägerseminar ein voller Erfolg. Im Mittelpunkt stand die Aufgabe, den Jungjägern das Ansprechen in der Praxis zu lehren. Bei je 4 Abend- und Morgenansitzen mit großen Mengen an Wild sind die Jungjäger beim sicheren Ansprechen von Wild einen wesentlichen Schritt weiter. Die Landschaft von Mecklenburg-Vorpommern hat bewiesen, dass sie zu den wildreichsten Gegenden Deutschlands gehört und immer eine Reise wert ist.
Es waren sicherlich auch für mich die wildreichsten, aber auch die anstrengensten Jagdtage meines Lebens.
Wir werden das Jungjägerseminar auf Usedom auf jeden Fall wiederholen und das Seminar “Kahlwild richtig bejagen - Das Ansprechen und Erlegen des weiblichen Rotwildes” ist bereits für September geplant.