Geschichten aus dem Lehrrevier

Geschichten aus dem Lehrrevier (9)

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Dienstag, 16 Oktober 2012 14:51
Stefan Fügner

Bericht vom Schnupperkurs für Jungjäger

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3 spannende und anstrengende Tage beim „Schnupperkurs:Jungjägerseminar“
des Vereins Lehrprinz e.V. im Revier Liepe

von Jungjäger Caspar

Anruf beim Vorsitzenden des Vereins Lehrprinz e.V. einige Tage vor Beginn des Kurses im Oktober 2012, ungefährer Wortlaut der wesentlichen Teile des Gespräches: „Ich habe vor einiger Zeit die Jägerprüfung abgelegt und habe den Jagdschein, jetzt fehlt mir jedoch jagdliche Praxis und da möchte ich gerne etwas machen. Ich wäre interessiert, an einem Kurs teilzunehmen, wie Sie ihn im Internet anbieten.

Wie geht das denn, was wird gemacht, wann wäre das möglich …?“ so die üblichen Worte zur Einleitung halt. Darauf die Frage: „Haben Sie nächste Woche Zeit?“ Antwort:„Im Prinzip – ja!“ Es geht dann locker weiter:„Da haben wir bereits einen Gast und wenn Sie Interesse haben, können Sie gleich mitmachen.“ „Hm, so habe ich mir das zwar nicht gedacht – aber warum nicht!“. In wenigen Tagen die Vorbereitungen abgeschlossen und dann am Montag nach Liepe/Brandenburg gefahren – ganz schön touristisch überlaufen die Gegend, wg. des Schiffshebewerks in Finow! Na ja, das kann ja spannend werden, dachte ich mir. Aber dann wird alles gut:

Begrüßung durch den Vorsitzenden

Einweisung in Quartier und Revier,

Gemeinsames Essen im Landgasthof

Erläuterung des weiteren Vorgehens und Erledigung der Formalitäten

Insbesondere klare Vorgaben, wie vorzugehen ist in den kommenden 3 Tagen - alles

perfekt vorbereitet soweit

Bei Revierfahrt gleichzeitig Ansprechübungen von Rehwild durchgeführt

Erster Ansitz von Hochkanzel auf Rehwild im unteren Revierteil – sieben Stück Rehwild, Enten und Gänse gesehen - alles zu weit entfernt.  Abendessen im Landgasthof und Vorbereitung auf den Nachtansitz auf Schwarzwild von Hochkanzel und Wagen im oberen Revierteil.

Dies Programm zog sich dann die weiteren 2 Tage ähnlich weiter verdichtet durch, wobei der Schlaf etwas zu kurz kam und bescherte damit weitere interessante Einblicke in die jagdliche Praxis. Erfahrungen wurden gesammelt von uns „Jungjägern“ beim Aufbruch, dem zerwirken  von Schwarzwild, der Verwertung des Wildfleisches, in der Nachsuche auf Schwarzwild im
Schilf, im Fahren in unwegsamem Gelände und auch eine kleine Treibjagd mit Hunden auf Enten gehörte noch zum Programm.

Alles in allem drei sehr intensive Tage mit vielen neuen Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen.

Das Jungjägerseminar ist eine Möglichkeit, innerhalb kürzester Frist seinen jagdlichen Horizont in eine ganz andere Richtung zu erweitern, insbesondere Erfahrungen in Bezug auf eine „neue, andere, hocheffiziente Jagdmanagementmethode“ zu sammeln und einen  intensiven Austausch mit aufgeschlossenen Jagdpraktikern zu führen sowie die Arbeit des Vereins kennen zu lernen.

Zum Abschluss ist dem „Lehrprinz e.V.“ und seinen engagierten Mitgliedern für Ihren Einsatz im – wie wir nachher erfahren haben, ersten „Schnupperkurs – Jungjägerseminar“ herzlich zu danken!

Donnerstag, 06 Januar 2011 13:49
Stefan Fügner

Auf Sauen in Liepe

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von Stefan Habermann


Die Jagd in der Schorfheide, genauer gesagt in Liepe ist mir seit dem vergangenen Frühjahr an´s Herz gewachsen.

Die Naturvielfalt aus Hochwald, Feldern und Wiesen und dazu das Bruch als teils sich selbst überlassenem und landwirtschaftlich genutzten Land ist schon eine Einmaligkeit für sich. Dazu herzliche Gastgeber und günstige Unterkünfte - was will man mehr.

Beim letzten Mal verließen wir, meine Frau, ich sowie Kurt unser Terrorterrier und Kleo unsere DK- Jagdgebrauchshundanwärterin Liepe mit einem erlegten Dachs und einem Frischling, der sehr wohl als „Halbes Schwein auf Toast” taugen könnte.

„Seht zu, das ihr den Oktobermond mitbekommt” sagte Stefan zum Abschied.

Nun war ich zwar alleine da, aber Anblick sollte ich für Drei bis Viele haben .

Von Anfang: Freitag -Wir wollen um vier nachmittags raus- schaffst du das? Klar, kein Problem. War meine Antwort auf Stefan´s Frage, was sich als falsch herausstellte, A24-Stau und Polnische Mautsparer ließen mich erst eine Stunde später ankommen. Folglich nicht das Quartier beziehen, sondern gleich auf den Ansitz.

“Du gehst in die Seggebuchte, da ist Rotwild - vorher zeige ich dir noch die Sitze für den Frühansitz, fahr mal hinterher.”

Stefans Anweisung und seinem Auto folgend wurden mir drei Möglichkeiten zur freien Wahl gestellt -Du kennst dich ja schon gut aus hier- so Stefans Worte.

Die Terrassenkanzel an der Seggebuchte kannte ich gut, denn hier hatte ich schon mehrfach, wenn auch mit wenig Erfolg, gesessen. 17 Uhr, Kurt und ich richteten uns also häuslich ein, zum Sonnenuntergang war ja noch Zeit.

Acht Stücke Rehwild auf fünfhundert Meter - das fängt ja an wie beim letzten Mal, dachte ich und genoß eine Zigarette und ein Kaltgetränk, Kurt schnarchte …….. Das Rehwild beobachtend und hin und wieder die anderen zwei offenen Seiten abglasend vergingen gute drei Stunden, dann war der Sprung und auch die Sicht weg, unmerklich hatte die Dämmerung sich mit Wolken zusammengetan und dem Vollmond den Kampf angesagt.

Kaltgetränk, Zigarette - Schnarchen von Unten - irgendwann wird schon Licht, das sitzen wir doch aus !

Irgendetwas war plötzlich anders - das Schnarchen war weg, Kurt nicht mehr unter meinem Sitzbrett, langsam kam ich aus meinem Dämmerschlaf zu mir und sah mich um. Kurt hypnotisiert die Tür und grummelt -den Laut kenne ich, da muß Wild sein. Mit aller Vorsicht schiebe ich die Luke hinter mir auf und sehe - Rehwild, Ricke mit zwei Kitzen, na toll, denke ich noch, als sich im Augenwinkel etwas bewegt eine weitere Teildrehung und ich erhasche einen Blick auf zwei schnell wechselnde, kapitale Sauen die sich zügig am Zaun des gegenüberliegenden Pumpwerkes über die Pläne bewegen - also war doch etwas hier, meine Korkenzieherstellung korrigierend warf ich einen Blick auf´s Handy, 22 Uhr, die Wutze werden wach. Brechen und lautes Quieken unter mir in der dicht bewachsenen Buchte, Waffe bereit, Glas hoch- hören ja, sehen nein, aber es sind Viele, soviel ist klar - Kurtgrummeln ! Blick nach links - 9 kleine und zwei große, schwarze Klumpen ziehen Richtung Holz - natürlich am Zaun der Pumpstation entlang - sollte ich nicht doch ? Nein, zu gefährlich ! Wieder nach rechts konzentriert ist das Brechen verklungen, schemenhaft entfernt sich eine große Rotte von sicher 15 Stücken im Troll Richtung Reheinstand von heute Nachmittag - Sch… . Grummeln, Kurt starrt , mit dem Fang auf die Fensterbank aufgelegt auf die kleine Anhöhe und richtig , aus dem Laubgehölz wechseln acht Schwarzkittel an „ Kommt auf´s Grüne, kommt schon” denke ich, während ich die Mauser vorsichtig bereit mache, da sind sie, 80, vielleicht 90 Meter bei bestem Mond brechen die Schwarzen in der Luzerne, die Kleinste der Überläuferrotte ist mein Ziel, langsam folgt ihr die Mündung, bis sie breit steht - Schuss, sie zeichnet im Feuer, nachrepetiert, Blick durchs Glas- Bühne leer, dafür brechen die Sauen mit Getöse hinter dem Sitz in die Buchte. Klar war, das ich getroffen hatte, auf dem Blatt abgekommen und ruhig aufgelegt konnte nicht wirklich etwas schief gehen.

Die obligatorische Zigarettenpause später baumten Kurt und ich ab zur Kontrolle, bei Mond und Taschenlampenlicht nur Ausrisse, kein Schweiß am Anschuss.

Der Fluchtfährte folgend erreichen wir den Durchbruch, hier sind sie also rein. „ Such verwund mein Hund” schicke ich Kurt zur freien Suche in´s Ungewisse, immer wieder sehe ich den weißen Rücken des Terriers immer größere Kreise ziehen, da verschwindet er in einem Buschgewirr aus allem was Nadeln und Dornen hat - Laut, kurzes Todverbellen, dann Gezerre, da bist du also, denke ich und nähere mich dem Gewirr, nein, bei Nacht, ohne Deckung, wenn da noch mehr drin ist, als der eine gestreckte Überläufer, nein, das machen wir morgen früh, es ist kalt genug beruhige ich mich und rufe Kurt ab. Abbruch und Aufbruch, im Auto zeigt mir die Uhr 23.50, eine gute Zeit zum nach Hause fahren.

Das Geröllpflaster des Weges schüttelt uns durch und wir erreichen die Stelle, wo uns Stefan am Nachmittag einen Wagen empfohlen hatte. Ein wenig runterkommen von der Aufregung tut gut, denke ich, Kurt kann sich auch nochmal lösen, warum also nicht nach dem Wagen sehen. Gesagt getan, Glas, Waffe, Hund voran geht es gemütlich im Baumschatten zur rollenden Ansitzkiste, vor mir die Wiese sieht aus wie ein Handgranaten Wurfstand, die Wutze hatten ganze Arbeit geleistet.

Am Ansitzwägelchen angekommen, untersuche ich den Verschluss, alles um uns herum ist ruhig, Kurt verschwindet kurz für große Jungs und ich schließe die Tür, ja, ein guter Platz für morgen Früh. Kurt! Fuß!

Ich wende auf der Sohle Richtung Grünland und sehe fünf fast gleich große Sauen, wie aus dem Boden gewachsen bearbeiten sie die Soden.

Hilft nichts, die Gelegenheit kommt so schnell nicht wieder, denke ich und streiche außen an der Ansitzkiste an. Im Knall bricht das geringste der Stücke zusammen - die anderen verlassen die Vorstellung Richtung Gehölz - Wow, zwei in so kurzer Zeit denke ich, das ist doch mal was.

Kurt verbellt anhaltend die Sau, es ist also noch Leben in ihr, Optik von der Waffe und vorsichtiges Nähern. Im Voranschlag, auf fünf Meter heran kommt sie hoch und schlägt nach dem tanzenden Hund, der sie immer wieder an den Keulen gezwickt hat, eine Wendung zu mir, Blasen, ich ziehe die Waffe an die Wange, die Kugel trifft über dem Wurf und lässt die schwarze Bache zusammenbrechen.

Donnerwetter, die ist nicht von schlechten Eltern, denke ich als ich die Bache drehe. Im Scheinwerferlicht meines inzwischen geholten Autos breche ich auf und versuche anschließend die Gestreckte auf die Ladefläche zu wuppen - nicht machbar. Etwa eine halbe Stunde warte ich, bis Stefan, den ich aus dem Bett klingeln musste, mir Weidmannsheil wünscht und wir zusammen die Beute verladen und in die Wildkammer verbringen, fast 90 kg zeigte die Waage an.

Noch kurz bei einem kühlen Blonden das Erlebte des Vorabends repetieren, die Bergungspläne für den Morgen besprechen und ab in die Falle.

Nach kurzer Nacht dann Treffen an der Seggebuchte, den markierten Anschuss untersuchen, nochmals die Fluchtfährte prüfen und DD Rüde Ajax zur Verlorensuche schnallen - auch er verbellt die Wutz in dem Geschlinge unter der Kanzel. Auf dem Bauch robbend berge ich die Bache, sie wird später aufgebrochen 47 kg auf die Waage bringen. Ein schöner Erfolg.

Am Samstagabend weist Stefan mir in einem anderen Revierteil eine offene Baumplattform zu.

Nach dem Aufbaumen erkenne ich rechts eine gut bevölkerte Weide, hier werden sicher keine Sauen kommen, das werden die Rinder verhindern. Ich wende mich also der linken Seite zu und warte. Dieser Ansitz ist deutlich kühler, das Wetter ist umgeschlagen, nachdem ich gute drei Stunden im Nieselregen ausgeharrt habe und sich so gar überhaupt nichts gerührt hatte, baume ich mit klammen Fingern ab um , ohne über „Los” zu gehen mein Lager in der Pension anzunehmen. Ich beschließe noch eine Frühpirsch zu unternehmen und schnarche schnell mit Kurt um die Wette.

Der Wecker bricht den Schlaf um Vier ab, ein kurzes Frühstück später verlasse ich um kurz vor Fünf die Pension zu Fuß um im angrenzenden Revier meine Pirsch zu beginnen.

Mit Kurt an der Lautlosleine unterwinde ich einen Zaun, kaum 100 Meter vom Ortsrand entfernt. Nach wenigen weiteren Schritten im Schatten der Bäume höre ich sie brechen, kaum zu glauben, die Sauen sind praktisch bis an die Gartengrenzen vorgestoßen. Dem Geräuschpegel nach zu urteilen mussten es Viele sein. Was tun ?

Erst einmal ein wenig abwarten, das Morgengrauen sollte doch bald einsetzen. Als dann genug „Licht” ist für das Glas wird Kurt abgelegt und ich bewege mich auf Knien in Richtung Geräuschpegel, noch gut 100 Meter, ich glase die Gegend vor mir ab und versuche die Stücke zu zählen, 40? 50?- so viele auf einem Haufen habe ich noch nicht gesehen-

Kriechend bewegte ich mich auf Schussentfernung, immer wieder verschieben sich die Sauen, es scheinen drei oder vier Gruppen in dieser Rotte zu sein, immer eine Art Sicherheitsabstand untereinander haltend.

Kleinere Rangeleien untereinander aber nicht unter anderen Gruppen, eine interessante Erfahrung. Während meiner Beobachtungen wird es immer heller, hell genug für sauberes Ansprechen, denke ich und wage den Blick durch die Optik auf der Waffe. Ja, es geht, ich folge mit der Mündung einem Sauenhaufen, der langsam nach rechts wandert beim Brechen.

Als ich einen Frischling sicher ansprechen kann, lasse ich fliegen, Kugelschlag - die Rotte flüchtet nach rechts in die Buchenbestände, andere Sauen preschen den Hügel hinunter nach Hinten , mehr kann ich nicht durch das Zielfernrohr erkennen, allerdings auch nicht das beschossene Stück.

Die übliche „Zigarette danach” später bewege ich mich an den Anschuss, nicht´s zu finden, kein Garnichts-ich werde im Tageslicht noch eine Kontrollsuche machen, beschließe ich.

Auch die Kontrollsuche mit Hund ergibt nichts, außer, dass wir einen Kugelriss in einer verschobenen Grassode finden, genau in Schußbahn, wie sich herausstellt - diesen Batzen hatte mir die Optik wohl weggezaubert - das ist Jagd, denke ich und bin jetzt sicher verschossen zu haben.

Was will man mehr, fragte ich bereits am Anfang - Anblick ohne Ende, die wunderbare Landschaft und auch noch Weidmanns Heil auf zwei Wutze gehabt. Hochzufrieden verabschiede ich mich nach Hause .

Montag, 18 Oktober 2010 15:44
Stefan Fügner

Der Schleicher: Ein 80kg-Keiler

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Am Folgetag: DD Ajax und BGS Dana bewachen Alex’ starken Keiler (Foto: C. Wilms)

Es ist schon ein paar Monaten her, seit ich durch das erste Berliner Jäger-Stammtischwochenende im Oderbruch in das Revier Liepe gekommen bin. Darauf aufbauend ergab es sich in einigen Gesprächen mit Stefan und dem Revierpächter Dr. Lipps, daß für mich und einen Jagdfreund eine attraktive Jagdmöglichkeit im Revier Liepe heraussprang. Hatten wir doch per 31.03. unsere bisherige Jagdmöglichkeit am Stadtrand von Berlin durch einen Pächterwechsel verloren.
Nach den ersten Ansitzen stellte sich schnell heraus, daß das Revier im Oderbruch eine mir bisher unbekannte Artenvielfalt in einer überaus reizvollen Landschaft bot.
Nach vielen anfänglich glücklosen, aber dennoch schönen Ansitzabenden hatten wir beschlossen, den Septembermond auszunutzen, um endlich auch einmal Beute zu machen.

Gesagt – getan, wir fuhren am Dienstag und Mittwoch dieser Woche jeweils nach Feierabend ins Revier um dann jeweils gegen 19.30 anzusitzen. Mein Ziel sollte in den beiden Tagen die „Seegebuchte“ werden. Die Kanzel liegt in einer hügeligen Endmoränenlandschaft am Rande des angrenzenden Forstes. Man hat einen weiten Blick über die umliegenden Felder. Direkt zu den Füßen der Kanzel befindet sich ein kleiner Tümpel. Eigentlich handelt es sich eher um eine riesige Pfütze, die durch die Beseitigung ehemals vorhandener Entwässerungsgräben entstanden ist. Diese Senke gliedert sich wie ein Spiegelei in zwei Zonen. Der innen liegende, mit dichtem Schilf bewachsene Teich wird umgeben von einem etwas flacheren, aber immer noch hüfthohen grünen Randbereich mit einigen weinigen Hecken. Zum Rand der Senke wird der Bewuchs etwas flacher und geht dann nach einer abschließenden Kante aus Brombeeren in die angrenzenden Felder über.

Am Dienstag hörte ich schon kurz nach dem Aufbaumen, wie eine einzelne Sau im Schilf langsam erwachte und unter dem Geräusch der brechenden Stengel einige Kreise im Schilf zog. Nebel hatte sich breit gemacht, und so konnte ich nur hören, wie die Sau aus dem Schilf austrat und durch das hohe Gras bis in meinen Windschatten schlich. Dort wurde er still, blies einmal kurz und verließ mit einem tiefen Grunzen die Bühne. Die Stimmlage und das trotz meiner Witterung recht gemächliche wegziehen ließ mich auf einen älteren und erfahrenen Keiler schließen. Er wußte vermutlich, daß er im dichten Nebel nichts zu befürchten hatte. Nach einer halben Stunde verließ eine weitere einzelne Sau auf dem gleichen Weg ebenfalls das Schilf. Diese hatte vermutlich auf der anderen Seite des Teiches den Tag verbracht und entschloß sich nach einiger Zeit im Schilf dazu, auch auf die Reise für diese Nacht aufzubrechen.

Am Mittwoch zur gleichen Zeit war ich wieder auf dem Weg zur Seegebuchte. Ich stellte das Auto rund hundertfünfzig Meter weiter am Feldrand ab pirschte mich langsam Richtung Kanzel. Leider stand der schwach säuselnde Wind nicht gut und ich hörte, wie eine einzelne Sau aus dem Randbereich der Senke wieder in das Schilf zog. Das mußte er gewesen sein. Sehen konnte ich ihn nicht, da man nur von oben aus der Kanzel in die Senke einsehen kann. Gut, leise weiter auf die Kanzel und dort erst einmal eingerichtet. Diesmal zog kein Nebel auf und ich hatte gute Sicht. Der „Schleicher“ hatte sich nicht groß durch meine Anwesenheit verunsichern lassen. Er zog weiterhin gut hörbar im Schilf hin und her. Irgendwann machte er sich wieder auf den gleichen Weg an der Kanzel vorbei aus dem Staub. Diesmal schlich er sich aber am für mich nicht einsehbaren Rand der Senke direkt unter dem Sitz vorbei und war verschwunden. Ich sah ihn auf der anderen Seite auch nicht mehr auftauchen. Er hatte also einen Geheimausgang. Die Sache fing an mir zu gefallen. Ich habe schon oft beobachten können, wie einzelne Keiler einen festen Tagesablauf haben. Sie gehen oft die gleichen Wege, zu immer denselben Zeiten, so daß man beinahe die Uhr nach Ihnen stellen kann. Der „Schleicher“ schien ein Vertreter dieser Art zu sein.

Im Verlaufe des Abends hatte ich dann auf jeweils große Entfernungen noch drei weitere Rotten vor und einen Rotspießer, der gemütlich einmal im Kreis um die Senke zog.

Da die Ansitze vom Dienstag und Mittwoch mir noch in den Knochen steckten, war ich nicht sicher, ob wir den Donnerstag auch noch einmal ins Revier fahren sollten. Immerhin waren wir nach der guten Stunde Rückfahrt in den vergangenen Tagen sehr spät ins Bett gekommen und der Wecker klingelte erbarmungslos um sechs Uhr in der Früh. Ich besprach mich mit meinem Jagdfreund und wir stellten fest, daß Der Donnerstag wohl vorerst die letzte Möglichkeit wäre, den Septembermond mitzunehmen. Ab Freitag war schlechteres Wetter angekündigt und der abnehmende Mond spielte uns auch entgegen.

So packten wir, getrieben von den Ereignissen der letzten beiden Tage die Sachen und fuhren gestern noch einmal in den Oderbruch. Wir trafen Stefan in Liepe und beratschlagten die Taktik für den Abend. Für mich gab es nur ein Ziel. Das War die Seegebuchte. Mich zog es zu meinem neu gewonnenen Freund. Die Jagd auf diese Einzelgänger ist für mich die schönste und interessanteste Art auf Sauen zu waidwerken.

Stefan fuhr mich zur Kanzel und ich baumte auf. Nach kurzer Zeit des Einrichtens glaste ich die Umgebung ab und erspähte auf dem frisch gemähten Luzernenacker einen Fuchs. Die Entfernung paßte und so nahm ich meine neue Howa 1500, die seit den zwei Wochen in meinem Besitz nur auf dem Stand zum Einsatz gekommen war und legte an. Das Absehen suchte den Weg auf den Fuchs und als dieses auf seinem Latz zum stehen kam……………..NEIN! ich war aus einem anderen Grund hier. Ich wußte, daß mein Freund noch unten im Schilf schlief und die .30-06 blieb im Lauf.

Gut so! Kurze Zeit später brachen die ersten Schilfstengel und ich wußte „Er“ war wach. Er zog wie gewohnt seine kleinen Kreise im Schilf, sondierte die Lage und holte sich Wind aus allen Richtungen. Diesmal aber stand der Wind nur für mich günstig. Die Minuten vergingen. Immer wieder machte er kurze Pausen, dann brachen wieder Schilfstengel, dann wieder Minuten der Stille. Schließlich hörte ich wie er aus dem Schilf schon in das hohe Gras gewechselt hatte. Er schlich durch das Gras und ich konnte kurz seinen Rücken und das Haupt sehen. Er zog langsam und sehr gemütlich Stück für Stück an der Kanzel vorbei und ich mußte mir etwas überlegen. Auf der Seite, zu der her zog hatte die Kanzel kein Fenster sondern nur die Tür. Diese bot aber eine schlechte Auflage. Ein Glück, daß die Seegebuchte als eine der Luxuskanzeln im Revier mit einem Balkon ausgestattet ist. Ich Griff die Waffe, öffnete leise die Tür und trat auf den Vorbau hinaus. Fernglas hoch und siehe da, er stand unter einem kleine Bäumchen nur noch wenige Meter vom Übergang der Senke zu den Feldern. Das Gras unter dem Bäumchen war niedrig, so daß ich ihn gut sehen konnte. Das Gewehr schnell am Leiterholm angestrichen und warten bis er sich passend stellt. Er tat mir den gefallen und stellte sich unter dem kleinen Bäumchen breit. Langsam erhöhte ich den Druck auf den Abzug und im Knall brach der „Schleicher“ zusammen. Ich repetierte und blieb noch einige Zeit auf der Sau. Eine Nachsuche im dichten Schilf wo er zuhause war, wollte ich nicht riskieren. Aber er schlägelte nur noch kurz und dann war Stille. Es war wieder diese ganz besondere Stille, die ich in den vergangenen Monaten so vermißt hatte. Ich saß noch einige Minuten draußen auf dem Balkon der Kanzel und dachte über das Geschehene nach. Es war wieder alles so friedlich. Ich rief Stefan an und erzählte ihm, daß ich eine Sau geschossen habe, die liegt und er könne mich, wenn bei Ihm nichts mehr los ist abholen kommen. Es war erst 20.30 Uhr als ich Stefans Geländewagen über den Luzernenacker kommen sah. Ich packte meine Sachen und baumte ab. Wir gingen vom Feldrand durch die Brombeeren zu dem kleinen Bäumchen und da lag meine Sau. Daß einen Bergung alleine hier kaum möglich war hatte ich schon geahnt. Wir zogen die Beute zu zweit an die Feldkante und ich brach die Sau schnell auf. Schnell eingeladen und auf dem Weg zur Wildkammer auf dem Lieper Vorwerk funkte ich noch schnell meinen Jagdfreund an, daß er nachkommen sollte. Auf dem Vorwerk mußte die Sau erst mal an die Waage. Wir stellten 80 Kilo fest und nach dem ersten Schnaps wanderte das Schweinchen in die Kühlung. Meine Jagdfreund war inzwischen auch schon angekommen und nach einem letzten Bierchen (ich war ja am Vortag gefahren und hatte für den Rückweg nach Berlin eine Chauffeur) machten wir uns auf die Rückreise.

Donnerstag, 05 August 2010 13:51
Stefan Fügner

Zur sommerlichen Saujagd in Liepe

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Hochsommer im Oderbruch: Familie Adebar (Foto: J. Lehmann)

Wir suchen und suchen, aber es bleibt dabei: das einzige Zeitfenster für ein verlängertes Jagdwochenende ist Anfang Juli statt Anfang August und so wird aus der geplanten Blattjagd eine Saujagd. “Kein Problem”, meint Stefan, „wir haben viele Überläufer im Roggen und im Hafer”. Außerdem, ein paar Kilo Wildschwein küchenfertig eingeschweißt und eingefroren wären für den geplanten Verkauf über das Internet oder in Berlin auch nicht so schlecht.

Zunächst aber machen wir uns Freitag früh nach einem ordentlichen Frühstück an die Arbeit. Mit einem Porsche Trecker aus Dr. Lipps Sammlung machen wir uns auf, um gefälltes Stangenholz aufzuladen und zum Vorwerk zu transportieren. Stefan will daraus neue Hochsitze bauen und eventuell auch verkaufen.

“Auf gehts!” (Foto: J. Lehmann)

Der Trecker wird gestartet (Foto: J. Lehmann)

Fahrerwechsel (Foto: J. Lehmann)

Schwer beladen geht es durch den Wald (Foto: J. Lehmann)

….. und abladen. (Foto: J. Lehmann)

Aber auch für Beobachtungen, ….. (Foto: J. Lehmann)

 

…..Fachsimpeleien und Jägerlatein ist Zeit. (Foto: J. Lehmann)

Ein DD auf Abwegen? (Foto: J. Lehmann)

Abends gehen wir dann auf Ansitz. Noch auf dem Weg zur Kanzel erspähe ich zahlreiche Ricken mit ihren Kitzen und etliche Jungfüchse. Auch die Sauen sind gut zu hören, ein Gegrunze wie im Schweinestall, keine 50m entfernt. Nur zu sehen bekomme ich sie nicht, zu dicht ist das Unterholz und das Gras.

Pit hat mehr Jagdglück: In der Dämmerung läuft ein einzelner Überläuferkeiler direkt auf seine Ansitzleiter zu und er kommt zum Schuss. Wir bergen das Stück und brechen es am Lieper Vorwerk auf.

Eine Ricke in der Morgendämmerung (Foto: J. Lehmann)

Morgens gehen wir in den Oderbruch, leider nur mit mäßigem Erfolg. Wir haben zwar alle Anblick, aber Sauen oder Rehböcke lassen sich nicht blicken. Tagsüber besichtigen Pit und ich das Kloster Chorin aus dem 13. Jahrhundert. Die alten, gepflasterten Waldwege auf denen unser Trecker gestern entlang geholpert ist, wurde von den Choriner Mönchen angelegt.


Kloster Chorin (Foto: J. Lehmann)

Am Abend suchen wir uns einige Kanzeln rund um eine Suhle am Haferfeld. Die milchreifen Haferkörner sollten die Sauen anziehen, so unsere Spekulation. Pit hat Pech: zwei Kanzeln werden mittlerweile von Wespen bewohnt und so muss er mehrmals umziehen. Ricken, Kitze und Füchse sehen wir wieder reichlich, auch einen weit entfernten Rehbock, nur die Sauen, die sehen wir erst auf dem Rückweg. Keine 50m vor uns lungern sie im Hafer herum und sind genauso überrascht von uns wie wir von ihnen. Pits erste Kanzel wäre ideal gewesen, aber wer will schon neben einem Wespennest ansitzen?

Am Sonntag früh ziehen wir ohne Stefan los. Ich setze mich auf die Ansitzleiter, wo Pit seinen Keiler erlegt hat. Noch während ich mein Sitzpolster zurechtrücke läuft eine einzelne Sau den Weg hoch und biegt in den Roggen ab, der dort allerdings nur kniehoch ist. In meinem Kopf läuft die Checkliste durch: einzelnes Stück, keine Frischlinge, also keine führende Bache, vermutlich ein mittlerweile aus der Rotte vertriebener Überläuferkeiler, steht breit, Roggen nicht zu hoch. Ich habe noch maximal drei Sekunden bevor die Sau im hohen Roggen verschwindet. Nicht zu weit vorne denke ich noch und trage den Schuss an. Noch bevor ich nach repetieren kann ist der Überläufer im hohen Roggen verschwunden. 20m konnte ich seinen Rücken zwischen den Halmen noch erspähen, dann sehe und höre ich nichts mehr.

Zweifel kommen hoch, habe ich gefehlt? Geht das auf 90m überhaupt? Oder einfach nur angeschweißt? Mein Telefon vibriert. Ich solle auf keinen Fall runtergehen und nachsuchen, simst Pit, ein angeschweißter Keiler sei sehr gefährlich. Und so funke ich Stefan an, damit wir mit Ajax, seinem Deutsch Drahthaar, nachsuchen.

Noch von der Ansitzleiter weise ich Stefan zum Anschuss ein, dann steige ich ab. An der Anschussstelle zeigt sich hellroter Schweiß. Ich entferne mein Zielfernrohr und entsichere, Stefan geht mit Ajax voran. Die Sicht im Roggen beträgt keine 5m. 60m weiter liegt die Sau im Roggen, wie vermutet, ein sauberer Blattschuss. Gemeinsam schleifen wir den Keiler zum Weg, dort breche ich auf. Auf dem Lieper Vorwerk treffen wir Dr. Lipps und lassen ein herrliches Jagdwochenende mit Kaffee und einem „Horrido” ausklingen.

DD Ajax am erlegten Keiler (Foto: J. Lehmann)

Ein erfolgreiches Wochenende….. (Foto: J. Lehmann)

….. im Sommer …. (Foto: J. Lehmann)

….. auf dem Lieper Vorwerk. (Foto: J. Lehmann)

Dienstag, 09 März 2010 12:14
Stefan Fügner

Ein Wochenende im Lehrrevier Empfehlung

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Ich treffe Stefan am Samstag vormittags im Rosencafe in Liepe. Wir trinken eine Tasse Kaffee und schauen auf die Revierkarte.
Wir schmieden einen groben Plan, was man sich angucken möchte, wo man eventuell ansitzen kann. Ohne das alles zu sehr zu konkretisieren, packen wir meinen Kram in Stefans Auto und brechen auf zu einer ersten Revierrundfahrt.

Es geht erst mal in DAS Bruch. Wiesen und Feuchtwiesen mit Pappeln und Weiden, Gräben, Dickungen und Schilfgürteln. Im Hintergrund thront das Schiffshebewerk Niederfinow. Auf dem Finowkanal sitzen diverse exotische Enten. Die Kraniche sind seit ein-zwei Wochen da. Kibitze sehen wir auch. Das Rehwild ist sehr vertraut. Läßt sich von dem Auto kaum stören. Ein Sprung mit 8 Stück steht auf 30 Meter, scheint gut durch den Winter gekommen zu sein. 5 weibliche Stücke und 3 Böcke.

Direkt neben einem Hochsitz finden wir einen Kessel (Foto Sebastian)

Die Bache hatte hier ein schönes Nest gebaut,…… (Foto Sebastian)

…. das jetzt im März aber schon wieder verlassen ist. (Foto Sebastian)

Die Wiesen sind nass aber zum Glück noch gefroren. Wir kirren ein wenig und kontrollieren Reviereinrichtungen. Anschliessend fahren wir in den oberen Revierteil. Dort ist alles völlig anders. Eine sanfte Hügellandschaft mit Landwirtschaft, kleinteiligen Wiesen, vielen Hecken und einigen Waldinseln.
Am Nachmittag setzen wir uns dann im unteren Revierteil an.
Angrenzend an ein altes Saugatter in der Hoffnung einen Frischling oder Überläufer erlegen zu können. Ich sehe viel Rehwild und einen Fuchs. Die Sauen lassen sich leider nicht blicken. Wir baumen gegen 19:30 ab, essen köstlich, gehen zeitig zu Bett, um am nächsten Morgen früh aufzustehen.

Bei klirrender Kälte und sternenklarer Nacht treffen wir uns um 5 Uhr zum Morgenansitz wieder. Vielleicht können wir das Schwarzwild auf dem Rückwechsel abpassen. Der Mond steht tief aber zum Glück haben wir noch Halbmond. Damit kann man arbeiten. Ich sitze auf einer herrlichen, alten, nostalgischen Kanzel und habe es irgendwie geschafft, meinen großen Münsterländer da hoch zu hiefen. (Hoch war einfacher als runter.)
Die Sauen höre ich mehrfach hinter mir im Bestand brechen, der Schwarzspecht rumort  auch die ganze Zeit. Im Morgengrauen schnürt dann ein Fuchs parallel zum Graben langsam mäuselnd in meine Richtung. Und dann - anstatt sich meiner Wenigkeit weiter zu nähern- verschwindet er auf 200 Metern in einem Graben und ward nicht mehr gesehen. Mist.

Das Rehwild steht jetzt eigentlich überall. Es gibt keine Wiese, keine Rictung in die ich blicken kann, auf der kein Rehwild steht. Immer wieder streichen große Gruppen von Kranichen ab. Vor mir landen noch einge Graugänse. Immer paarweise. Die Partner bleiben auch immer ganz nah zusammen. Das berührt mich irgendwie.

Am Nachmittag entschliessen wir uns, einige entlegene Nieschen des Reviers, lassen die Hunde arbeiten und stellen einen mobilen Sitz um.

Dank des Frosts sind die Wiesen passierbar: Kanzel an die Anhängerkupplung…… (Foto Sebastian)

…durch die zugefrohrene Senke…… (Foto Sebastian)

und auf den auf einem Wall gelegenen Weg herauf. (Foto Sebastian)

Die Wiesen und Gräben und Schilfgürtel sind noch voll mit Wasser. Wir besetzen den ein oder anderen Hochsitz, schauen ob alles in Ordnung ist, kontrollieren die Leitern, Sitzbretter und Auflagen und auf einmal, direkt neben uns in der Dickung, geht lautstark Eis zu Bruch. Kraaaawoommmm. Wir sind sofort jagdlich angefiebert, ich bin schnell am Auto, hole Glas und Waffe …. es kracht weiterhin:
Da ist etwas im Busch - ob wir das hochgemacht haben - was ist das bloß - kraaaaaromms - da kracht schon wieder das Eis.
Wir bleiben bestimmt eine halbe Stunde sitzen, hören immer wieder Eis brechen, können aber zu keinem Zeitpunkt sehen, was da in der Dickung für Bewegung sorgt.
Eine Möglichkeit wäre Kollege Bokert; der Biber fühlt sich im Revier pudelwohl und geht wirklich kräftig zu Werke. Habe selten so einen  fleissigen Baumeister gesehen. Der scheint aber auch etwas an Größenwahn zu leiden. Pappeln und Weiden mit einem Durchmesser von über 80cm weder freudig angenommen und hochprofessionell weiterverarbeitet! Ganz fein entastet, Äste und Zweige zu feinen Haufen gestapelt. Wie so ein kleines Kerlchen das schafft ist mir ein echtes Rätsel.

Der Biber leistet ganze Arbeit! (Foto Sebastian)

Die bevorstehende Arbeit und der Umfang des Baumes spielen für die Auswahl keine Rolle (Foto Sebastian)

Nach getaner Arbeit! (Foto Sebastian)

Wir hatten viel Anblick, ich konnte das Revier kennen lernen und komme gerne wieder, um bei Revierarbeiten zu helfen und den Lehrprinz e.V. in sonstigen Bereichen zu unterstützen.

Horrido - Sebastian


Sonntag, 24 Januar 2010 15:50
Stefan Fügner

Nachtansitz bei -15 Grad Celsius

geschrieben von

Am 23.1.2010 nachmittags zeigt sich das Niederoderbruch von seiner schönste Seite.
30 cm Altschnee, strahlender Sonnenschein lassen die Schneedecke auf den Bruchwiesen glitzern und - ein bitterkalter Ostwind weht über das Land.

Am Nachmittag meldet die Wetterstation in Bernau -15 Grad Celsius. Der Rundfunk prophezeit eine eiskalte Nacht, bei der die Temperaturen in einigen Lagen unter die Marke von -20 Grad Celsius rutschen können.

Mir kommen Bedenken bei dem Gedanken an meinen Nachtansitz. Doch die noch immer vorhandene Schneedecke, zunehmender Halbmond und eine sternenklare Nacht sind ideal für einen erfolgreichen Sauansitz.
“Vor zehn Uhr laufen sie nicht” lautet der Grundsatz eines alten Saujägers aus dem Oderbruch.

Doch ich will pünktlich sein.
Um 20.40 Uhr fahre ich los. Auf den 7 km zum Revier schafft es das Gebläse des Autos nicht einmal, alle Scheiben von Eisblumen zu befreien.
Ich habe mir eine alte Kanzel nahe des ehemaligen Saugatters aus Staatsjagdzeiten als Ansitz gewählt. Von hier aus kann man eine mehrere Hektar große Wiese einsehen, die in den letzten Tagen mehrfach von Rotten aufgesucht wurde. Überall ist die Schneedecke aufgebrochen und das Erdreich ist sichtbar Die Wiese ist hufeisenförmigund ist vom Bruchwald, dem ehemaligen Saugatter umgeben. Die Öffnung des Hufeisens bildet die Straße zum Schöpfwerk. Dort wo dieSchöpfwerkstraße auf die Wiese stößt, stelle ich das Auto ab und überquere die Wiese zur Kanzel.

Alles weist auf einen erfolgreichen Ansitz hin, rund um die Kanzel ist frisch gebrochen, der zunehmende Halbmond wirft zarghafte Schatten der Kanzel auf die Wiese und unterstützt das fahle Licht, das der Schnee hergibt. Fast 2 Stunden tut sich nichts, bis ich das erstemal deutliches Quieken vernehme und kurz darauf auf ca. 150 Meter vor mir etwa 10 Sauen erblicke. Im Zielfernrohr sieht man nur umherhuschende Punkte. Schnell die Waffe wieder in die Ecke der Kanzel, denn schon nach wenigen Minuten sind die Hände außerhalb des Ansitzsacks steif gefroren. “Herankommen lassen” heißt meine Devise. Doch die Rotte wechselt zuerst nach links und dann wieder nach rechts zur Schöpfwerkstraße, aber nicht in meine Richtung.

Gegen Mitternacht verschwindet der Mond hinter dem Bruchwald, die Wiese ist in milchig trübes Licht getaucht. Auch von meinen Sauen sehe und höre ich nichts mehr, scheinbar sind sie entlang derSchöpfwerkstraße Richtung Schöpfwerk gezogen.
Trotz Ansitzsack, in den ich zum Warmhalten der Füße zusätzlich eine Decke gestopft hatte, kriecht die Kälte unaufhörlich in den Körper. Ein Blick auf die Uhr des Handy sagt mir, dass es Zeit ist, nach Hause zu gehen: 1.24 Uhr. Völlig durchgefroren beginne ich, alles zusammenzupacken und trete den Weg zum Auto an.
Dort angekommen ziehe ich gerade den Ansitzsack aus, als ich eindeutig mehrmals ein Quieken vernehme. “Verdammt nochmal, wieso melden die sich erst jetzt!” geht es mir durch den Kopf.
Den Wind brauche ich nicht zu prüfen, beim Blick Richtung Sauen bläst mir der bitterkalte Ostwind ins Gesicht. Ich prüfe die Beschaffenheit derSchöpfwerkstraße. Sie wurde nicht geräumt, aber wagemutige Anwohner nutzen sie trotzdem als Schleichweg zwischen Liepe undBralitz. 2 tiefe Fahrrinnen haben sich im Schnee ausgefahren, auf denen man völlig geräuschlos pirschen kann.
“Dann also im Nahkampf” flüstere ich, nachdem ich die Chance, an die Sauen heranzukommen für aussichtsreich eingestuft habe und arbeite mich auf der linken Fahrrinne Richtung Rotte vor.
Problemlos komme ich vorwärts, da wird die Saupirsch zum Spaziergang. Im Laufschritt, das Gewehr in der Rechten, mit gebeugten Knien und gebücktem Oberkörper die Hecke links der Straße als Sichtschutz ausnutzend, komme ich mir vor wie ein vorrückender Infanterist.

Nach 150 Metern bietet die Hecke durch eine Lücke Sicht auf die Wiese und ich sehe “mehrere Klumpen” in Schussentfernung vor mir. 10 Meter vor mir 2 Weidezaunpfähle, die in der Spitze mit einem waagerechten Holz verbunden sind. Traumhafte Auflage! Hoffentlich ist dazwischen kein zugewehter Graben. Ich taste mich langsam vor, weniger wegen der Sauen, vielmehr um nicht in einem zugewehten Straßengraben zu versinken und komme problemlos an meine Auflage. Als ich kniend Ziel fasse, habe ich sofort eine Sau im Zielfernrohr. Entsichern, Ziel fassen, stechen nochmal Ziel fassen und - es macht “klick”. Die Kälte hat dasWaffenöl im Schloss zu Klebstoff werden lassen. Nochmal einstechen, nochmal Ziel fassen und als der Finger an den Abzug kommt, bricht der Schuss.
Zweimal klagt die Sau und dann Stille. Absolute Stille. Noch nicht einmal das übliche poltern der flüchtenden Rotte kann ich im Pulverschnee hören. Sehen kann ich nichts, die Wiese liegt in ihrem milchig trüben Licht vor mir. Meine Erfahrung sagt mir, dass der Schuss im Leben sitzt, doch ich traue dem Frieden nicht. Ein Blick auf die Uhr, es ist 2.15.
Wieder im Laufschritt zurück zum Auto, Zielfernrohr herunter und auf den Beifahrersitz gelegt, Taschenlampe prüfen und in die Manteltasche, Schweißriemen heraus und Hund anleinen.
Wenige Minuten später arbeite ich mich mit DD Rüde Ajax, diesmal über die verschneite Wiese parallel zur Schöpfwerkstraße, Richtung Sau.
Auf halber Strecke versperrt ein doppelter Elektrozaun den Weg. Beim Übersteigen verheddert sich die Waffe im Draht und Ajax zieht heftig an. Um nicht zu stürzen, muss ich den Schweißriemen los lassen und als ich den Zaun vollständig überstiegen habe, gibt Ajax tiefen Standlaut. Ich eile in die Richtung des Standlauts, da ich immer noch nichts sehen kann. Dann sehe ich Ajax, wie er die Sau umkreist und tief Laut gibt. Mit ihrer letzten Kraft versucht die Sau, den sie umkreisenden Hund zu schlagen, ohne aber nochmal auf die Läufe zu kommen. EinEntwässerungsgraben versperrt den Weg. Ich muss rechts 30 Meter Richtung Straße, über den Übergang, um zurück zu Ajax und der Sau zu kommen.

Als ich Ajax abrufe, um der Sau den Fangschuss zugeben, bleibt er, auf mich zukommend, nach 3 Metern stehen.

Der Schweißriemen hat sich durch das Umkreisen der Sau unter die Sau geschoben!

Ich gehe auf Ajax zu, ziehe mit aller Kraft an der Schweißleine, bis kein Widerstand mehr spürbar ist, um Ajax aus der misslichen Lage zu befreien. Als ich angebackt den Fangschuss antragen will, sehe ich mich nach Ajax um. Doch der liegt schon links neben mir. Obwohl die Sau keinerlei Leben mehr zeigt, gebe ich ihr sichheitshalber noch den erlösenden Fangschuss.

Als ich alleine die schweißtreibenden Bergung, das Aufbrechen, sowie das Wiegen und das Einlagern in der Kühlkammer hinter mir habe, ist die Kälte im Körper verschwunden und es ist 3.25 Uhr.
Ermattet aber hochzufrieden fahre ich nach 6 Stunden Saujagd bei sibirischer Kälte Heim, wo ich das Erlebte noch einmal vor dem wärmenden Ofen Revue passieren lasse.

waidmannsheil

Euer

stefan

Das Problem:

Viele Hundehalter führen Jagdhunde, ohne selbst Jäger zu sein. Auch zeigen viele Hunde, ohne als Jagdhundrasse erkennbar zu sein, einen starken Jagdtrieb. Jagdhunde und Jagdhundemischlinge sind von ihrer Herkunft Hochleistungshunde und benötigen deshalb eine dementsprechende Ausbildung und Beschäftigung.

Mit der Ausbildung solcher Hunde sind viele herkömmliche Hundeschulen nicht vertraut, ist doch die Jagdhundeausbildung mit der Ausbildung in der Hundeschule nicht vergleichbar. Viele Jagdhunde sind zudem in Hundeschulen nicht ausgelastet.

Hundeführer:
Das Seminar wendet sich an Nichtjäger, die Probleme bei der Erziehung ihres Jagdhundes oder Jagdhundmischlings haben und eine spezielle Hilfe beim Umgang und der Ausbildung eines Jagdhundes wünschen, sowie Jungjäger, die erstmalig einen Jagdhund führen und im aktiven Jagdbetrieb einsetzen wollen.

Das Seminar soll dem Seminarteilnehmer Hilfestellungen geben, später mit dem Hund selbst zu arbeiten. Im Seminar verliert der Hundeführer die Angst, bei der Ausbildung etwas falsch zu machen und erlernt die Kniffe und Tricks, die zur Erlernung des “Handwerks Jagdhundeausbildung” notwendig sind.

Der Seminarteilnehmer lernt, dass Konsequenz nichts mit Schmerz und Strafe zu tun hat, sondern absolut notwendig ist, um aus dem noch unerzogenen  Jagdhund einen führigen und vor allem verlässlichen Begleiter und Partner  zu machen.

Seminardauer: 1 Tag

Seminarablauf:

Vormittags:

Im ersten Teil des Seminars wird dem Hundeführer gezeigt, wie der Grundgehorsam bei einem Jagdhund eingearbeitet wird. Es wird erklärt, was der Jagdhundeausbilder unter dem Begriff  “Stubendressur” und “Durcharbeiten” versteht und warum der absolute Gehorsam für alle weiteren Übungen unumgänglich ist.

Durch den Wechsel von Phasen des Arbeitens und des Ruhens wird gezeigt, wie der Hund schnell beginnnt, sich völlig auf den Führer zu konzentrieren. Es wird gezeigt, welche Mittel man einsetzt, um den Hund zur Ruhe zu bringen, damit er sich auf das Arbeiten mit dem Hundeführer konzentriert.

Insbesondere das korrekte Einarbeiten des “Fußgehens”, die Leinenführigkeit, das Aufbauen des Dauerkontaktes zum Führer und das Ablegen des Hundes auf Distanz als Einstieg in weitere Arbeitsgebiete des Hundes werden gezeigt.  Hunde reagieren sehr unterschiedlich, wenn die Ablenkung gesteigert wird. Wieviele Schritte von der Stubendressur (ohne Ablenkung)  bis zum Gehorsam in Streßsituation (starke Ablenkung) notwendig sind, wird aufgezeigt.

nachmittags:

Am Nachmittag wird der richtige Umgang mit Feldleine (Schleppleine), Dummy und Apportierbock, sowie die Arbeit mit der Reizangel vorgestellt. Noch immer wird der Umgang mit den obigen Hilfsmitteln oft unsachgemäß und für die Erziehung des Hundes daher schädlich angewandt, was spätere Korrekturen notwendig macht.

Teilnehmer: 1 Person mit Begleitung

Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein solches Seminar nur als Einzelseminar sinnvoll ist.  Die notwendigen Kniffe und Tricks beizubringen, die zudem auf jeden Hund individuell abgestimmt werden müssen, machen eine individuelle Betreuung einer Einzelperson mit dem eigenen Hund notwendig.

Ort des Seminars:

Das Seminar findet im Lehrrevier des Jagdvereins Lehrprinz e.V. in 16248 Liepe/Brandenburg statt. Das Lehrrevier befindet sich ca. 60 km nordöstlich von Berlin und ist über die A 11 Abfahrt Finowfurt/ Eberswalde zu erreichen.

Unterbringung:

Für von weither Anreisende bieten wir den Seminarurlaub mit dem Jagdhund” an.  Für Seminarteilnehmer aus dem Raum Berlin ist das Lehrrevier in ca. 1 1/2 Stunden von Berlin zu erreichen.

Preis:

180,00 Euro

Veranstalter:

Jagdverein Lehrprinz e.V.  Lehrrevier Brandenburg

Cöthener Str.26    16259  Falkenberg/Mark

Tel.:033458/ 64247  Mobil 0178/6141856

email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Seminarleitung:

Stefan Fügner

Anmeldung:

Zur Anmeldung zwecks Terminabspache wenden Sie sich bitte an obige Vereinsadresse.

Berichte von Seminarteilnehmern und Nichtjägern mit Jagdhunden:

Weimaraner in Nichtjägerhänden -eine Gradwanderung

Gehorsam am Wild- Melf´s langer Weg zum führigen Begleithund

Konzentrationsübung als Einstieg in die Arbeit am Gehorsam

Erfolg nach 10 Monaten mühsamer Ausbildungsarbeit

Mein Tag beim Jagdhundausbilder

Zwangsapport mal anders

Literatur:

Homepage der Buchatorin Sabine Middelhaufe:”“Jagdhund ohne Jagdschein”


Montag, 25 Mai 2009 15:53
Stefan Fügner

Der Einstangenspießer - Geduld zahlt sich aus

geschrieben von

Schon Ende April hatte ich ihn ausgemacht.
Aus über 100 Meter Entfernung erkannte ich nur eine kümmerliche Stange in Form eines Spießes. Doch bei der ersten Begegnung im Mai war es zu weit, um einen sicheren Schuß abzugeben. “Irgendwann wird er von einem stärkeren Bock auf Trapp gebracht werden und dann werde ich ihn schon kriegen.” war mein Gedanke und ich setzte mich abermals an.
Doch fast auf jedem Ansitz sah ich ihn, ohne dass er in Schußweite herankam. Im Gegenteil: Er äugte ständig sichernd in meine Richtung und entfernte sich im Laufe des Ansitzes immer weiter von mir. An einem Abend wurde mir klar, dass alles Warten sinnlos ist: Ein starker Sechser trat direkt neben dem Ansitz aus. Er war der Grund, weshalb der “Einstangenspießer” respektvoll Abstand hielt.
Gegen Mitte Mai hörte ich auf, die Abend- und Morgenansitze zu zählen, die ich in den Bruchwiesen “An den Choriner Grenzhäusern”, wie der Revierteil heißt, verbracht hatte. Um nicht völlig zu verzweifeln, ging ich immer nur noch jeden zweiten Ansitz dorthin. Aber als eingefleischter “Knopfbockjäger” ließ der Bock mich nicht ruhen.
Mittlerweile hatte der starke Sechser seinen Einstand weiter ausgedehnt und dem Einstangenspießer einen Einstand nahe einem alten Hochsitz zugewiesen.
Meine Hoffnung stieg und ich zog um.
Leider aber war der Wind auf diesem Sitz oft ungünstig und täglich mußte ich erst die Windrichtung prüfen, bevor ich den Sitz bezog.
Durch das häufige Sitzen auf den zwei in Frage kommenden Kanzeln kannte ich nun alle Rehe, die sich dort aufhielten. Die Reviergrenze des Sechsers hätte ich nun metergenau eintragen können, denn sein täglicher Auftritt auf der Wiese war begleitet von ständigem Fegen an Weiden und Erlen. Dort, wo es keine Bäume gab und seine Grenze durch die Wiese lief, stach er wütend in die Grasnarbe und schleuderte die Wurzeln mit Erde in die Luft. Doch der Einstangenspießer war wie vom Erdboden verschwunden.
Als der Wind mal wieder gut stand, gezog ich den Sitz im Einstand des Einstangenspießers und nur wenige Minuten nachdem ich es mir bequem gemacht hatte, marschierte der Sechser direkt auf mich zu. Er überqerte einen Entwässerungsgraben , der eigentlich seine Reviergrenze war. Er war auf der Suche nach seinem Rivalen! Nachdem er die Wiese direkt vor meinem Hochsitz erfolglos abgesucht hatte, verschwand er wieder in die Richtung, aus der er gekommen war. Auch ich war enttäuscht, hatte ich doch die Hoffnung, er würde auf seinen Rivalen stoßen und ihn dann direkt vor meinen Sitz treiben.
Kaum war der Sechser verschwunden, zeigte sich ein Reh im besagten Entwässerungsgraben. Dichtes Schilf machte es schwer, das Stück anzusprechen. Doch irgendwann war das Haupt frei und ich erkannte den Einstangenspießer. Er hatte sich geschickt vor seinem Rivalen versteckt!
Der entsicherte und eingestochene Repetierer suchte das Blatt. Es war zum Verweifeln: Immer wieder verdeckten Schilf oder Grasbüschel den Bock, dann wieder war er völlig im Graben verschwunden. Immer weiter zog er zum Schilfdickicht. Der Versuch , einen sicheren Schuß anzubringen, mag über eine halbe Stunde angedauert haben, bis ich entnervt mit dem Schwinden des Büchsenlichts das Gewehr sicherte und erfolglos den Heimweg antrat.
Zuhause traute ich mir den Grund meiner erfolglosen Jagd nicht mehr schildern. Auf die Frage:”Und?” antwortet ich nur noch:”Nichts!”

Doch dann kam der 22.Mai.
Gewitterwolken zogen am späten Nachmittag auf und ein Wolkenbruch entlud sich über den Wiesen. Bockjagdwetter! Wenn es aufhört zu regnen und es in den Einständen tropft, kommen sie heraus, um sich die Decke zu trocknen.
Als ich das Auto abstellte, regnete es noch und ich blieb noch fast eine Stunde im Wagen. Gegen 20.00 Uhr, als sich die ersten Sonnenstrahlen zeigten , ging ich zum Ansitz.
Fast eine Stunde tat sich nichts. Nur eine Ricke, die jeden Abend minutengenau auf die Wiese zog, zeigte sich. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass sie auch heute pünktlich war. Doch dann sehe ich meinen Einstangenspießer direkt auf mich zukommen. Er kommt aus dem Einstand des Sechsers und strebt die Reviergrenze der beiden Böcke, den Entwässerungsgraben an. Ich entsichere und steche ein. Als er den Graben erreicht, habe ich die gleiche Situation wie Tags zuvor. Ein sicherer Schuß auf den im Graben äsenden Bock ist unmöglich.
Plötzlich schießt er wie von Sinnen aus dem Graben, kommt hochflüchig über die Wiese vor meinem Sitz - und verschwindet im Schilfdickicht. Ich schaue über den Graben und sehe seinen Rivalen, den Sechser, wie er ihm drohend nachschaut.
Waffe sichern und aus der Traum. Doch vielleicht kommt er über die Schneise, die links vom Sitz durch das Schilfdickicht verläuft. Ich muss meine Sitzposition verändern und prüfe, ob ein Schuß möglich ist. Und tatsächlich: Kaum bin ich schußfertig, steht er auf der Schneise. Aber nur das Haupt ist zu sehen. Entsichert und eingestochen warte ich über 1/4 Stunde auf den einen Schritt, den er noch machen muss. Doch auch den Gefallen tut er mir nicht. Eine große Flucht über die Schneise und der Bock ist im Schilfdickicht auf der anderen Seite der Schneise verschwunden. Ich bin mit den Nerven fast am Ende. Doch er könnte auch durch dieses Dickicht hindurchziehen und auf der Wiese im Rücken meines Sitzes auftauchen.
Ich drehte mich abermals auf dem Sitz und nahm den Rand des Schilfs ins Zielfernrohr. Doch nun spüre ich den Wind im Nacken. Wenn er heraustritt wird er Wind von mir bekommen. Kein Bock erscheint im Zielfernrohr. Das Büchsenlicht beginnt zu schwinden. Als ich kurz über das Ziefernrohr auf die Wiese schaue, sehe ich ihn stehen. Irgendwie ist er, ohne dass ich ihn im Zielfernrohr erfasst hatte, aus dem Schilf auf die Wiese gelangt. Hoffentlich hat er noch kein Wind von mir bekommen! Ich entsichere, steche ein und fahre mit dem Zielfernrohr zum Haupt, prüfe, ob es auch wirklich der Spießer ist, sehe einen Spieß, fahre zum Blatt und lasse die Kugel aus dem Lauf. Als ich über das Zielfernrohr auf die Wiese schaue , ist sie leer. Er kann den Knall nicht mehr gehört haben.
Als ich zum Bock trete, befühle ich den noch im Bast befindlichen nur wenige Zentimeter langen Spieß. Daneben eine Stange, die gebogen ist wie der Schlauch einer Gams. Deshalb sah ich immer nur die eine Stange.
Im letzten Licht breche ich ihn auf und als ich ihn zum Auto trage, versuche ich vergeblich die Tage zu zählen, die ich auf ihn ansaß. Aber eines ist sicher: Noch nie habe ich in den vielen Jahren meiner Bockjagd so lange versucht, einen Bock zu erlegen. Aber Geduld zahlt sich aus, insbesondere bei der Jagd.

Unzählige Ansitze benötigte ich, um endlich am 22.5.2009 um 21.20 Uhr diesen schwachen Jährling zur Strecke zu bringen.
Der anfänglich als Spießer mit einer Stange angesprochene Jährling hatte doch noch eine nach hinten gebogene zweite Stange. Er wog aufgebrochen mit Haupt gerade 10,5 kg.

Montag, 18 Mai 2009 15:58
Stefan Fügner

Wo noch kapitale Böcke heranwachsen können

geschrieben von

Pirschen in den steilen Hängen der Endmoränenlandschaft. Hier in sehr ruhigen, aber schwer zu bejagenden Wiesen mit Knicks und kleinen Wäldchen wachsen noch alte kapitale Böcke heran, wie der nachfolgende Artikel beweist.

Über mehrere Jahre waren die Wiesen in den Hängen oberhalb des Oderbruchs ganzjährig beweidet worden. Zudem konnte das Vieh auch die zahleichen Knicks und Waldstücke abweiden und als Schutz vor Regen und Sonne nutzen, da die Hänge dieser Endmoränenlandschaft weiträumig eingezäunt waren. Doch erstmals in diesem Frühjahr steht kein Vieh mehr auf den steilen Hängen und langsam erholt sich die geschundene Grasnarbe und die abgefressenen Sträucher und Bäume der Knicks und Wäldchen können wieder austreiben. Doch wegen der mehrjährigen Dauerbeweidung konnte der Revierteil nicht gejagt werden, es fehlen Reviereinrichtungen bzw. die vorhandenen sind zugewachsen oder bedürfen der Reparatur, weshalb die Pirsch zur Zeit die einzige Möglichkeit der Bejagung darstellt, zumal die Wilddichte hier eher gering ist.


Langsam erholen sich die überweideten Wiesen

Gestern gegen 19.30 hatte ich es mir auf einem Stein hinter einer Eiche bequem gemacht, von wo ich einen Blick auf eine Wiese hatte. Ein Fuchs schnürte vorbei und ein Hase suchte nach Kräutern, bei deren Anblick ich mit DD Rüde Ajax die Standruhe üben konnte und das stumme Beobachten des Wildes klappt schon recht gut. Doch als sich auch bis 21.00 Uhr kein Rehwild zeigte, wollte ich entlang eines Knicks pirschen, um auf eine Wiese zu schauen, auf der ich Tags zuvor Rehwild gefährdet hatte. Ich verließ nach 100 Metern den Knick über die offene Wiese, um eine andere, sich talwärts neigende Wiese einzusehen und dort sah ich dann auch einen Bock auf ca. 70 Meter direkt auf mich zubewegen.

Die Waffe legte ich sofort auf den Schießstock auf und bevor ich versuchte, den Bock ins Zielfernrohr zu bekommen, zischte ich nach unten das Kommando “Platz”, das Ajax auch sofort befolgte. Der kühle Abendwind, der vom Oderbruch hinaufwehte, blies mir direkt ins Gesicht. Dies gab mir Gewissheit, dass er keinen Wind von mir bekommen konnte, doch ich stand ohne Deckung frei auf der Wiese. Als ich den Bock dann im Zielfernrohr hatte, stockte mir der Atem! Ein mehr als doppelt lauscherhohes Gehörn zierte sein Haupt. Eine starke Auslage und helle gleichmäßige extrem lange Enden erinnerten mich eher an das Geweih eines Sikahirsches. Einen Bock mit einem solchen Gehörn hatte ich in über 30 Jägerjahren noch nie gesehen. Langsam ziehend bewegte er sich suchend auf mich zu , bis er fast 35 Meter vor mir stand. Nur ein Weidezaun trennte uns und als er anfing, die “Statue” auf der Wiese zu beäugen, hatte ich Zeit, mir den Bock im Zielfernrohr anzusehen. Als er einmal breit stand und mit seinem mächtigen Kopfschmuck zu mir herüberäugte, fehlte nur noch das hell leuchtende Kreuz zwischen seinen extrem großen Stangen. Zumindest hatte ich erstmals das Gefühl, zu wissen, wie die Erscheinung des Hirsches mit einem Kreuz zwischen den Stangen auf den heiligen Hubertus gewirkt haben muss.
Irgendwie bekam der Bock dann doch etwas mit und sichtlich unruhig, aber nicht flüchtig, verließ er Wiese. Bleibt zu hoffen, dass er zur Blattzeit noch da ist und erlegt werden kann, aber sein Standort ist ruhig und weit ab der Reviergrenze, die Voraussetzungen sind gut, dass er im August zur Strecke kommt. Eine Medallie wird dieser Bock garantiert erzielen.
Der über mehrere Jahre kaum bejagte Revierteil beweist erneut, dass nur das Altwerden der Böcke über mehrere Jahre starke Trophäen, wenn sie dann erwünscht sind , entstehen lassen.

Kleine Reviere, in denen fast nur 2-3 jährige Böcke, also die “Halbstarken” im doppelten Sinne, erlegt werden und viel zu wenig in die Jährlingklasse eingegriffen wird, machen das Heranreifen solcher Hochkapitalen in der heutigen Zeit unmöglich.