Donnerstag, 06 Januar 2011 13:49

Auf Sauen in Liepe

von Stefan Habermann


Die Jagd in der Schorfheide, genauer gesagt in Liepe ist mir seit dem vergangenen Frühjahr an´s Herz gewachsen.

Die Naturvielfalt aus Hochwald, Feldern und Wiesen und dazu das Bruch als teils sich selbst überlassenem und landwirtschaftlich genutzten Land ist schon eine Einmaligkeit für sich. Dazu herzliche Gastgeber und günstige Unterkünfte - was will man mehr.

Beim letzten Mal verließen wir, meine Frau, ich sowie Kurt unser Terrorterrier und Kleo unsere DK- Jagdgebrauchshundanwärterin Liepe mit einem erlegten Dachs und einem Frischling, der sehr wohl als „Halbes Schwein auf Toast” taugen könnte.

„Seht zu, das ihr den Oktobermond mitbekommt” sagte Stefan zum Abschied.

Nun war ich zwar alleine da, aber Anblick sollte ich für Drei bis Viele haben .

Von Anfang: Freitag -Wir wollen um vier nachmittags raus- schaffst du das? Klar, kein Problem. War meine Antwort auf Stefan´s Frage, was sich als falsch herausstellte, A24-Stau und Polnische Mautsparer ließen mich erst eine Stunde später ankommen. Folglich nicht das Quartier beziehen, sondern gleich auf den Ansitz.

“Du gehst in die Seggebuchte, da ist Rotwild - vorher zeige ich dir noch die Sitze für den Frühansitz, fahr mal hinterher.”

Stefans Anweisung und seinem Auto folgend wurden mir drei Möglichkeiten zur freien Wahl gestellt -Du kennst dich ja schon gut aus hier- so Stefans Worte.

Die Terrassenkanzel an der Seggebuchte kannte ich gut, denn hier hatte ich schon mehrfach, wenn auch mit wenig Erfolg, gesessen. 17 Uhr, Kurt und ich richteten uns also häuslich ein, zum Sonnenuntergang war ja noch Zeit.

Acht Stücke Rehwild auf fünfhundert Meter - das fängt ja an wie beim letzten Mal, dachte ich und genoß eine Zigarette und ein Kaltgetränk, Kurt schnarchte …….. Das Rehwild beobachtend und hin und wieder die anderen zwei offenen Seiten abglasend vergingen gute drei Stunden, dann war der Sprung und auch die Sicht weg, unmerklich hatte die Dämmerung sich mit Wolken zusammengetan und dem Vollmond den Kampf angesagt.

Kaltgetränk, Zigarette - Schnarchen von Unten - irgendwann wird schon Licht, das sitzen wir doch aus !

Irgendetwas war plötzlich anders - das Schnarchen war weg, Kurt nicht mehr unter meinem Sitzbrett, langsam kam ich aus meinem Dämmerschlaf zu mir und sah mich um. Kurt hypnotisiert die Tür und grummelt -den Laut kenne ich, da muß Wild sein. Mit aller Vorsicht schiebe ich die Luke hinter mir auf und sehe - Rehwild, Ricke mit zwei Kitzen, na toll, denke ich noch, als sich im Augenwinkel etwas bewegt eine weitere Teildrehung und ich erhasche einen Blick auf zwei schnell wechselnde, kapitale Sauen die sich zügig am Zaun des gegenüberliegenden Pumpwerkes über die Pläne bewegen - also war doch etwas hier, meine Korkenzieherstellung korrigierend warf ich einen Blick auf´s Handy, 22 Uhr, die Wutze werden wach. Brechen und lautes Quieken unter mir in der dicht bewachsenen Buchte, Waffe bereit, Glas hoch- hören ja, sehen nein, aber es sind Viele, soviel ist klar - Kurtgrummeln ! Blick nach links - 9 kleine und zwei große, schwarze Klumpen ziehen Richtung Holz - natürlich am Zaun der Pumpstation entlang - sollte ich nicht doch ? Nein, zu gefährlich ! Wieder nach rechts konzentriert ist das Brechen verklungen, schemenhaft entfernt sich eine große Rotte von sicher 15 Stücken im Troll Richtung Reheinstand von heute Nachmittag - Sch… . Grummeln, Kurt starrt , mit dem Fang auf die Fensterbank aufgelegt auf die kleine Anhöhe und richtig , aus dem Laubgehölz wechseln acht Schwarzkittel an „ Kommt auf´s Grüne, kommt schon” denke ich, während ich die Mauser vorsichtig bereit mache, da sind sie, 80, vielleicht 90 Meter bei bestem Mond brechen die Schwarzen in der Luzerne, die Kleinste der Überläuferrotte ist mein Ziel, langsam folgt ihr die Mündung, bis sie breit steht - Schuss, sie zeichnet im Feuer, nachrepetiert, Blick durchs Glas- Bühne leer, dafür brechen die Sauen mit Getöse hinter dem Sitz in die Buchte. Klar war, das ich getroffen hatte, auf dem Blatt abgekommen und ruhig aufgelegt konnte nicht wirklich etwas schief gehen.

Die obligatorische Zigarettenpause später baumten Kurt und ich ab zur Kontrolle, bei Mond und Taschenlampenlicht nur Ausrisse, kein Schweiß am Anschuss.

Der Fluchtfährte folgend erreichen wir den Durchbruch, hier sind sie also rein. „ Such verwund mein Hund” schicke ich Kurt zur freien Suche in´s Ungewisse, immer wieder sehe ich den weißen Rücken des Terriers immer größere Kreise ziehen, da verschwindet er in einem Buschgewirr aus allem was Nadeln und Dornen hat - Laut, kurzes Todverbellen, dann Gezerre, da bist du also, denke ich und nähere mich dem Gewirr, nein, bei Nacht, ohne Deckung, wenn da noch mehr drin ist, als der eine gestreckte Überläufer, nein, das machen wir morgen früh, es ist kalt genug beruhige ich mich und rufe Kurt ab. Abbruch und Aufbruch, im Auto zeigt mir die Uhr 23.50, eine gute Zeit zum nach Hause fahren.

Das Geröllpflaster des Weges schüttelt uns durch und wir erreichen die Stelle, wo uns Stefan am Nachmittag einen Wagen empfohlen hatte. Ein wenig runterkommen von der Aufregung tut gut, denke ich, Kurt kann sich auch nochmal lösen, warum also nicht nach dem Wagen sehen. Gesagt getan, Glas, Waffe, Hund voran geht es gemütlich im Baumschatten zur rollenden Ansitzkiste, vor mir die Wiese sieht aus wie ein Handgranaten Wurfstand, die Wutze hatten ganze Arbeit geleistet.

Am Ansitzwägelchen angekommen, untersuche ich den Verschluss, alles um uns herum ist ruhig, Kurt verschwindet kurz für große Jungs und ich schließe die Tür, ja, ein guter Platz für morgen Früh. Kurt! Fuß!

Ich wende auf der Sohle Richtung Grünland und sehe fünf fast gleich große Sauen, wie aus dem Boden gewachsen bearbeiten sie die Soden.

Hilft nichts, die Gelegenheit kommt so schnell nicht wieder, denke ich und streiche außen an der Ansitzkiste an. Im Knall bricht das geringste der Stücke zusammen - die anderen verlassen die Vorstellung Richtung Gehölz - Wow, zwei in so kurzer Zeit denke ich, das ist doch mal was.

Kurt verbellt anhaltend die Sau, es ist also noch Leben in ihr, Optik von der Waffe und vorsichtiges Nähern. Im Voranschlag, auf fünf Meter heran kommt sie hoch und schlägt nach dem tanzenden Hund, der sie immer wieder an den Keulen gezwickt hat, eine Wendung zu mir, Blasen, ich ziehe die Waffe an die Wange, die Kugel trifft über dem Wurf und lässt die schwarze Bache zusammenbrechen.

Donnerwetter, die ist nicht von schlechten Eltern, denke ich als ich die Bache drehe. Im Scheinwerferlicht meines inzwischen geholten Autos breche ich auf und versuche anschließend die Gestreckte auf die Ladefläche zu wuppen - nicht machbar. Etwa eine halbe Stunde warte ich, bis Stefan, den ich aus dem Bett klingeln musste, mir Weidmannsheil wünscht und wir zusammen die Beute verladen und in die Wildkammer verbringen, fast 90 kg zeigte die Waage an.

Noch kurz bei einem kühlen Blonden das Erlebte des Vorabends repetieren, die Bergungspläne für den Morgen besprechen und ab in die Falle.

Nach kurzer Nacht dann Treffen an der Seggebuchte, den markierten Anschuss untersuchen, nochmals die Fluchtfährte prüfen und DD Rüde Ajax zur Verlorensuche schnallen - auch er verbellt die Wutz in dem Geschlinge unter der Kanzel. Auf dem Bauch robbend berge ich die Bache, sie wird später aufgebrochen 47 kg auf die Waage bringen. Ein schöner Erfolg.

Am Samstagabend weist Stefan mir in einem anderen Revierteil eine offene Baumplattform zu.

Nach dem Aufbaumen erkenne ich rechts eine gut bevölkerte Weide, hier werden sicher keine Sauen kommen, das werden die Rinder verhindern. Ich wende mich also der linken Seite zu und warte. Dieser Ansitz ist deutlich kühler, das Wetter ist umgeschlagen, nachdem ich gute drei Stunden im Nieselregen ausgeharrt habe und sich so gar überhaupt nichts gerührt hatte, baume ich mit klammen Fingern ab um , ohne über „Los” zu gehen mein Lager in der Pension anzunehmen. Ich beschließe noch eine Frühpirsch zu unternehmen und schnarche schnell mit Kurt um die Wette.

Der Wecker bricht den Schlaf um Vier ab, ein kurzes Frühstück später verlasse ich um kurz vor Fünf die Pension zu Fuß um im angrenzenden Revier meine Pirsch zu beginnen.

Mit Kurt an der Lautlosleine unterwinde ich einen Zaun, kaum 100 Meter vom Ortsrand entfernt. Nach wenigen weiteren Schritten im Schatten der Bäume höre ich sie brechen, kaum zu glauben, die Sauen sind praktisch bis an die Gartengrenzen vorgestoßen. Dem Geräuschpegel nach zu urteilen mussten es Viele sein. Was tun ?

Erst einmal ein wenig abwarten, das Morgengrauen sollte doch bald einsetzen. Als dann genug „Licht” ist für das Glas wird Kurt abgelegt und ich bewege mich auf Knien in Richtung Geräuschpegel, noch gut 100 Meter, ich glase die Gegend vor mir ab und versuche die Stücke zu zählen, 40? 50?- so viele auf einem Haufen habe ich noch nicht gesehen-

Kriechend bewegte ich mich auf Schussentfernung, immer wieder verschieben sich die Sauen, es scheinen drei oder vier Gruppen in dieser Rotte zu sein, immer eine Art Sicherheitsabstand untereinander haltend.

Kleinere Rangeleien untereinander aber nicht unter anderen Gruppen, eine interessante Erfahrung. Während meiner Beobachtungen wird es immer heller, hell genug für sauberes Ansprechen, denke ich und wage den Blick durch die Optik auf der Waffe. Ja, es geht, ich folge mit der Mündung einem Sauenhaufen, der langsam nach rechts wandert beim Brechen.

Als ich einen Frischling sicher ansprechen kann, lasse ich fliegen, Kugelschlag - die Rotte flüchtet nach rechts in die Buchenbestände, andere Sauen preschen den Hügel hinunter nach Hinten , mehr kann ich nicht durch das Zielfernrohr erkennen, allerdings auch nicht das beschossene Stück.

Die übliche „Zigarette danach” später bewege ich mich an den Anschuss, nicht´s zu finden, kein Garnichts-ich werde im Tageslicht noch eine Kontrollsuche machen, beschließe ich.

Auch die Kontrollsuche mit Hund ergibt nichts, außer, dass wir einen Kugelriss in einer verschobenen Grassode finden, genau in Schußbahn, wie sich herausstellt - diesen Batzen hatte mir die Optik wohl weggezaubert - das ist Jagd, denke ich und bin jetzt sicher verschossen zu haben.

Was will man mehr, fragte ich bereits am Anfang - Anblick ohne Ende, die wunderbare Landschaft und auch noch Weidmanns Heil auf zwei Wutze gehabt. Hochzufrieden verabschiede ich mich nach Hause .

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Montag, 18 Oktober 2010 15:44

Der Schleicher: Ein 80kg-Keiler


Am Folgetag: DD Ajax und BGS Dana bewachen Alex’ starken Keiler (Foto: C. Wilms)

Es ist schon ein paar Monaten her, seit ich durch das erste Berliner Jäger-Stammtischwochenende im Oderbruch in das Revier Liepe gekommen bin. Darauf aufbauend ergab es sich in einigen Gesprächen mit Stefan und dem Revierpächter Dr. Lipps, daß für mich und einen Jagdfreund eine attraktive Jagdmöglichkeit im Revier Liepe heraussprang. Hatten wir doch per 31.03. unsere bisherige Jagdmöglichkeit am Stadtrand von Berlin durch einen Pächterwechsel verloren.
Nach den ersten Ansitzen stellte sich schnell heraus, daß das Revier im Oderbruch eine mir bisher unbekannte Artenvielfalt in einer überaus reizvollen Landschaft bot.
Nach vielen anfänglich glücklosen, aber dennoch schönen Ansitzabenden hatten wir beschlossen, den Septembermond auszunutzen, um endlich auch einmal Beute zu machen.

Gesagt – getan, wir fuhren am Dienstag und Mittwoch dieser Woche jeweils nach Feierabend ins Revier um dann jeweils gegen 19.30 anzusitzen. Mein Ziel sollte in den beiden Tagen die „Seegebuchte“ werden. Die Kanzel liegt in einer hügeligen Endmoränenlandschaft am Rande des angrenzenden Forstes. Man hat einen weiten Blick über die umliegenden Felder. Direkt zu den Füßen der Kanzel befindet sich ein kleiner Tümpel. Eigentlich handelt es sich eher um eine riesige Pfütze, die durch die Beseitigung ehemals vorhandener Entwässerungsgräben entstanden ist. Diese Senke gliedert sich wie ein Spiegelei in zwei Zonen. Der innen liegende, mit dichtem Schilf bewachsene Teich wird umgeben von einem etwas flacheren, aber immer noch hüfthohen grünen Randbereich mit einigen weinigen Hecken. Zum Rand der Senke wird der Bewuchs etwas flacher und geht dann nach einer abschließenden Kante aus Brombeeren in die angrenzenden Felder über.

Am Dienstag hörte ich schon kurz nach dem Aufbaumen, wie eine einzelne Sau im Schilf langsam erwachte und unter dem Geräusch der brechenden Stengel einige Kreise im Schilf zog. Nebel hatte sich breit gemacht, und so konnte ich nur hören, wie die Sau aus dem Schilf austrat und durch das hohe Gras bis in meinen Windschatten schlich. Dort wurde er still, blies einmal kurz und verließ mit einem tiefen Grunzen die Bühne. Die Stimmlage und das trotz meiner Witterung recht gemächliche wegziehen ließ mich auf einen älteren und erfahrenen Keiler schließen. Er wußte vermutlich, daß er im dichten Nebel nichts zu befürchten hatte. Nach einer halben Stunde verließ eine weitere einzelne Sau auf dem gleichen Weg ebenfalls das Schilf. Diese hatte vermutlich auf der anderen Seite des Teiches den Tag verbracht und entschloß sich nach einiger Zeit im Schilf dazu, auch auf die Reise für diese Nacht aufzubrechen.

Am Mittwoch zur gleichen Zeit war ich wieder auf dem Weg zur Seegebuchte. Ich stellte das Auto rund hundertfünfzig Meter weiter am Feldrand ab pirschte mich langsam Richtung Kanzel. Leider stand der schwach säuselnde Wind nicht gut und ich hörte, wie eine einzelne Sau aus dem Randbereich der Senke wieder in das Schilf zog. Das mußte er gewesen sein. Sehen konnte ich ihn nicht, da man nur von oben aus der Kanzel in die Senke einsehen kann. Gut, leise weiter auf die Kanzel und dort erst einmal eingerichtet. Diesmal zog kein Nebel auf und ich hatte gute Sicht. Der „Schleicher“ hatte sich nicht groß durch meine Anwesenheit verunsichern lassen. Er zog weiterhin gut hörbar im Schilf hin und her. Irgendwann machte er sich wieder auf den gleichen Weg an der Kanzel vorbei aus dem Staub. Diesmal schlich er sich aber am für mich nicht einsehbaren Rand der Senke direkt unter dem Sitz vorbei und war verschwunden. Ich sah ihn auf der anderen Seite auch nicht mehr auftauchen. Er hatte also einen Geheimausgang. Die Sache fing an mir zu gefallen. Ich habe schon oft beobachten können, wie einzelne Keiler einen festen Tagesablauf haben. Sie gehen oft die gleichen Wege, zu immer denselben Zeiten, so daß man beinahe die Uhr nach Ihnen stellen kann. Der „Schleicher“ schien ein Vertreter dieser Art zu sein.

Im Verlaufe des Abends hatte ich dann auf jeweils große Entfernungen noch drei weitere Rotten vor und einen Rotspießer, der gemütlich einmal im Kreis um die Senke zog.

Da die Ansitze vom Dienstag und Mittwoch mir noch in den Knochen steckten, war ich nicht sicher, ob wir den Donnerstag auch noch einmal ins Revier fahren sollten. Immerhin waren wir nach der guten Stunde Rückfahrt in den vergangenen Tagen sehr spät ins Bett gekommen und der Wecker klingelte erbarmungslos um sechs Uhr in der Früh. Ich besprach mich mit meinem Jagdfreund und wir stellten fest, daß Der Donnerstag wohl vorerst die letzte Möglichkeit wäre, den Septembermond mitzunehmen. Ab Freitag war schlechteres Wetter angekündigt und der abnehmende Mond spielte uns auch entgegen.

So packten wir, getrieben von den Ereignissen der letzten beiden Tage die Sachen und fuhren gestern noch einmal in den Oderbruch. Wir trafen Stefan in Liepe und beratschlagten die Taktik für den Abend. Für mich gab es nur ein Ziel. Das War die Seegebuchte. Mich zog es zu meinem neu gewonnenen Freund. Die Jagd auf diese Einzelgänger ist für mich die schönste und interessanteste Art auf Sauen zu waidwerken.

Stefan fuhr mich zur Kanzel und ich baumte auf. Nach kurzer Zeit des Einrichtens glaste ich die Umgebung ab und erspähte auf dem frisch gemähten Luzernenacker einen Fuchs. Die Entfernung paßte und so nahm ich meine neue Howa 1500, die seit den zwei Wochen in meinem Besitz nur auf dem Stand zum Einsatz gekommen war und legte an. Das Absehen suchte den Weg auf den Fuchs und als dieses auf seinem Latz zum stehen kam……………..NEIN! ich war aus einem anderen Grund hier. Ich wußte, daß mein Freund noch unten im Schilf schlief und die .30-06 blieb im Lauf.

Gut so! Kurze Zeit später brachen die ersten Schilfstengel und ich wußte „Er“ war wach. Er zog wie gewohnt seine kleinen Kreise im Schilf, sondierte die Lage und holte sich Wind aus allen Richtungen. Diesmal aber stand der Wind nur für mich günstig. Die Minuten vergingen. Immer wieder machte er kurze Pausen, dann brachen wieder Schilfstengel, dann wieder Minuten der Stille. Schließlich hörte ich wie er aus dem Schilf schon in das hohe Gras gewechselt hatte. Er schlich durch das Gras und ich konnte kurz seinen Rücken und das Haupt sehen. Er zog langsam und sehr gemütlich Stück für Stück an der Kanzel vorbei und ich mußte mir etwas überlegen. Auf der Seite, zu der her zog hatte die Kanzel kein Fenster sondern nur die Tür. Diese bot aber eine schlechte Auflage. Ein Glück, daß die Seegebuchte als eine der Luxuskanzeln im Revier mit einem Balkon ausgestattet ist. Ich Griff die Waffe, öffnete leise die Tür und trat auf den Vorbau hinaus. Fernglas hoch und siehe da, er stand unter einem kleine Bäumchen nur noch wenige Meter vom Übergang der Senke zu den Feldern. Das Gras unter dem Bäumchen war niedrig, so daß ich ihn gut sehen konnte. Das Gewehr schnell am Leiterholm angestrichen und warten bis er sich passend stellt. Er tat mir den gefallen und stellte sich unter dem kleinen Bäumchen breit. Langsam erhöhte ich den Druck auf den Abzug und im Knall brach der „Schleicher“ zusammen. Ich repetierte und blieb noch einige Zeit auf der Sau. Eine Nachsuche im dichten Schilf wo er zuhause war, wollte ich nicht riskieren. Aber er schlägelte nur noch kurz und dann war Stille. Es war wieder diese ganz besondere Stille, die ich in den vergangenen Monaten so vermißt hatte. Ich saß noch einige Minuten draußen auf dem Balkon der Kanzel und dachte über das Geschehene nach. Es war wieder alles so friedlich. Ich rief Stefan an und erzählte ihm, daß ich eine Sau geschossen habe, die liegt und er könne mich, wenn bei Ihm nichts mehr los ist abholen kommen. Es war erst 20.30 Uhr als ich Stefans Geländewagen über den Luzernenacker kommen sah. Ich packte meine Sachen und baumte ab. Wir gingen vom Feldrand durch die Brombeeren zu dem kleinen Bäumchen und da lag meine Sau. Daß einen Bergung alleine hier kaum möglich war hatte ich schon geahnt. Wir zogen die Beute zu zweit an die Feldkante und ich brach die Sau schnell auf. Schnell eingeladen und auf dem Weg zur Wildkammer auf dem Lieper Vorwerk funkte ich noch schnell meinen Jagdfreund an, daß er nachkommen sollte. Auf dem Vorwerk mußte die Sau erst mal an die Waage. Wir stellten 80 Kilo fest und nach dem ersten Schnaps wanderte das Schweinchen in die Kühlung. Meine Jagdfreund war inzwischen auch schon angekommen und nach einem letzten Bierchen (ich war ja am Vortag gefahren und hatte für den Rückweg nach Berlin eine Chauffeur) machten wir uns auf die Rückreise.

Donnerstag, 05 August 2010 13:51

Zur sommerlichen Saujagd in Liepe

Hochsommer im Oderbruch: Familie Adebar (Foto: J. Lehmann)

Wir suchen und suchen, aber es bleibt dabei: das einzige Zeitfenster für ein verlängertes Jagdwochenende ist Anfang Juli statt Anfang August und so wird aus der geplanten Blattjagd eine Saujagd. “Kein Problem”, meint Stefan, „wir haben viele Überläufer im Roggen und im Hafer”. Außerdem, ein paar Kilo Wildschwein küchenfertig eingeschweißt und eingefroren wären für den geplanten Verkauf über das Internet oder in Berlin auch nicht so schlecht.

Zunächst aber machen wir uns Freitag früh nach einem ordentlichen Frühstück an die Arbeit. Mit einem Porsche Trecker aus Dr. Lipps Sammlung machen wir uns auf, um gefälltes Stangenholz aufzuladen und zum Vorwerk zu transportieren. Stefan will daraus neue Hochsitze bauen und eventuell auch verkaufen.

“Auf gehts!” (Foto: J. Lehmann)

Der Trecker wird gestartet (Foto: J. Lehmann)

Fahrerwechsel (Foto: J. Lehmann)

Schwer beladen geht es durch den Wald (Foto: J. Lehmann)

….. und abladen. (Foto: J. Lehmann)

Aber auch für Beobachtungen, ….. (Foto: J. Lehmann)

 

…..Fachsimpeleien und Jägerlatein ist Zeit. (Foto: J. Lehmann)

Ein DD auf Abwegen? (Foto: J. Lehmann)

Abends gehen wir dann auf Ansitz. Noch auf dem Weg zur Kanzel erspähe ich zahlreiche Ricken mit ihren Kitzen und etliche Jungfüchse. Auch die Sauen sind gut zu hören, ein Gegrunze wie im Schweinestall, keine 50m entfernt. Nur zu sehen bekomme ich sie nicht, zu dicht ist das Unterholz und das Gras.

Pit hat mehr Jagdglück: In der Dämmerung läuft ein einzelner Überläuferkeiler direkt auf seine Ansitzleiter zu und er kommt zum Schuss. Wir bergen das Stück und brechen es am Lieper Vorwerk auf.

Eine Ricke in der Morgendämmerung (Foto: J. Lehmann)

Morgens gehen wir in den Oderbruch, leider nur mit mäßigem Erfolg. Wir haben zwar alle Anblick, aber Sauen oder Rehböcke lassen sich nicht blicken. Tagsüber besichtigen Pit und ich das Kloster Chorin aus dem 13. Jahrhundert. Die alten, gepflasterten Waldwege auf denen unser Trecker gestern entlang geholpert ist, wurde von den Choriner Mönchen angelegt.


Kloster Chorin (Foto: J. Lehmann)

Am Abend suchen wir uns einige Kanzeln rund um eine Suhle am Haferfeld. Die milchreifen Haferkörner sollten die Sauen anziehen, so unsere Spekulation. Pit hat Pech: zwei Kanzeln werden mittlerweile von Wespen bewohnt und so muss er mehrmals umziehen. Ricken, Kitze und Füchse sehen wir wieder reichlich, auch einen weit entfernten Rehbock, nur die Sauen, die sehen wir erst auf dem Rückweg. Keine 50m vor uns lungern sie im Hafer herum und sind genauso überrascht von uns wie wir von ihnen. Pits erste Kanzel wäre ideal gewesen, aber wer will schon neben einem Wespennest ansitzen?

Am Sonntag früh ziehen wir ohne Stefan los. Ich setze mich auf die Ansitzleiter, wo Pit seinen Keiler erlegt hat. Noch während ich mein Sitzpolster zurechtrücke läuft eine einzelne Sau den Weg hoch und biegt in den Roggen ab, der dort allerdings nur kniehoch ist. In meinem Kopf läuft die Checkliste durch: einzelnes Stück, keine Frischlinge, also keine führende Bache, vermutlich ein mittlerweile aus der Rotte vertriebener Überläuferkeiler, steht breit, Roggen nicht zu hoch. Ich habe noch maximal drei Sekunden bevor die Sau im hohen Roggen verschwindet. Nicht zu weit vorne denke ich noch und trage den Schuss an. Noch bevor ich nach repetieren kann ist der Überläufer im hohen Roggen verschwunden. 20m konnte ich seinen Rücken zwischen den Halmen noch erspähen, dann sehe und höre ich nichts mehr.

Zweifel kommen hoch, habe ich gefehlt? Geht das auf 90m überhaupt? Oder einfach nur angeschweißt? Mein Telefon vibriert. Ich solle auf keinen Fall runtergehen und nachsuchen, simst Pit, ein angeschweißter Keiler sei sehr gefährlich. Und so funke ich Stefan an, damit wir mit Ajax, seinem Deutsch Drahthaar, nachsuchen.

Noch von der Ansitzleiter weise ich Stefan zum Anschuss ein, dann steige ich ab. An der Anschussstelle zeigt sich hellroter Schweiß. Ich entferne mein Zielfernrohr und entsichere, Stefan geht mit Ajax voran. Die Sicht im Roggen beträgt keine 5m. 60m weiter liegt die Sau im Roggen, wie vermutet, ein sauberer Blattschuss. Gemeinsam schleifen wir den Keiler zum Weg, dort breche ich auf. Auf dem Lieper Vorwerk treffen wir Dr. Lipps und lassen ein herrliches Jagdwochenende mit Kaffee und einem „Horrido” ausklingen.

DD Ajax am erlegten Keiler (Foto: J. Lehmann)

Ein erfolgreiches Wochenende….. (Foto: J. Lehmann)

….. im Sommer …. (Foto: J. Lehmann)

….. auf dem Lieper Vorwerk. (Foto: J. Lehmann)

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