Jungjägerausbildung

Die umfangreichen Prüfungen für den Jagdschein sind bestanden und der erste Jagdschein ist gelöst. Fehlen aber jagdliche Kontakte im Bekannten und Verwandtenkreis, ist der Einstieg in die aktive Jagdausübung nicht ohne weiteres möglich. Die Anpachtung einer Jagd ist erst nach dem dritten Jahresjagdschein zulässig und Begehungsscheine für den Jungjäger alles andere als eine optimale Lösung. Die fehlende Erfahrung des Jungjägers einerseits und die Erwartungen des Jagdpächters an seinen Begehungsscheininhaber andererseits sind selten in Deckung zu bringen und führen häufig zur Enttäuschung auf beiden Seiten, wenn Jungjäger und Jagdpächter nicht bewusst Anleitung und Einführung des Jungjägers in den praktischen Jagdbetrieb in Angriff nehmen. Dies ergaben zahlreiche Gespräche mit oft verzweifelten Jungjägern.

Als Alternative zum Begehungsschein als Einstieg in die praktische Jagdausübung bietet der Jagdverein Lehrprinz e.V. jetzt im eigenen Lehrrevier Jungjägerseminare an. In diesen wird den Jungjägern unter Anleitung erfahrener Lehrprinzen die erste Jagdgelegenheit und die Vermittlung der noch fehlenden praktischen Jagderfahrung geboten.

In Seminaren, die in der bewegungsaktiven Zeit des Wildes stattfinden, erhalten die Jungjäger zunächst die Gelegenheit, – häufig erstmalig – zum Schuss zu gelangen. Durch die Anleitung und mit Unterstützung der Lehrprinzen bekommen die Jungjäger zudem vor allem die Möglichkeit, das bis zur Jägerprüfung erlangte, noch theoretische Wissen in die Praxis umzusetzen. Sie erlangen somit die erste Erfahrung, die notwendig ist, eigenständig und aktiv die Jagd auszuüben.

Im Lehrrevier wird die Intervalljagd ausgeübt. Die Jungjägerseminare finden nur in der Zeit statt, in der das Wild bewegungsaktiv ist, in der restlichen Zeit des Jahres ruht die Jagd. Hierdurch wird die Chance erhöht, Anblick und Schussgelegenheit zu erhalten. Die Ruhezeiten verhindern außerdem eine durch dauerhaften Jagddruck verursachte Heimlichkeit des Wildes.

Die Jagdintervalle

Die Jagdintervalle sind auf die Jährlingsjagd im Mai, die Blattzeit Mitte Juli bis Mitte August und die Winterjagd von Anfang September bis Weihnachten festgelegt:

1. „Jährlingsabschuss im Mai“
Wenn im April die Böcke fegen und die Einstandskämpfe beginnen, beginnt die erste bewegungsaktive Zeit des Jagdjahres im Rehwildrevier. Die Jährlingsböcke werden von den älteren Böcken ständig vertrieben. Sie irren auf der Suche nach einem eigenen ruhigen Einstand umher. Diese Unruhe unter den Böcken hält den Mai über an und bietet eine ideale Möglichkeit, den Abschuss in der Jugendklasse beim Rehwild im Mai vollständig zu erfüllen.

2. „Blattzeit von Mitte Juli bis Mitte August”
Wenn Mitte Juli die Rehbrunft beginnt, kommt erneut Leben in das Rehwildrevier. Das übersichtliche Gelände der Bruchlandschaft und die Abgeschiedenheit garantieren nicht nur eine sehr anblickreiche Blattzeit, sondern ermöglichen auch das Anpirschen des treibenden Bockes. Das verspricht spannend Blattzeiterlebnisse, bis Mitte August wieder Ruhe einkehrt. Neben dem männlichen Rehwild kann zudem sowohl im Mai als auch in der Blattzeit bei bestehender Gelegenheit geringes Schwarzwild bejagt werden.

3. „Winterjagd“ 1. September bis 23. Dezember
Im Herbst muss die Schwarzwildbejagung intensiviert werden und der Abschuss des weiblichen Rehwildes steht an. Zusätzlich zur Rehwildbejagung finden am Wochenende zahlreiche Drückjagden statt, zu denen die Jungjäger eingeladen werden und erste Drückjagderfahrungen sammeln können. Diese Drückjagden finden in den ausgedehnten Wäldern des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin statt, wo schon Kaiser und andere „Staatsgrößen“ zur Jagd gingen. Im Lehrrevier bleibt noch genügend Zeit, sich der Entenjagd auf den zahlreichen Kanälen und dem Oder-Havel-Kanal zu widmen und das Können mit der Flinte unter Beweis zu stellen.

Im Einklang mit der Jagd- und Schonzeitenverordnung des jeweiligen Bundeslandes kann im Übrigen Raubwild bejagt werden.


Die Seminare

WANN

Ein Jungjäger, der an einem Seminar teilnehmen möchte, hat die Möglichkeit, die Zeit der Teilnahme in den festgelegten Jagdzeiten frei zu wählen. Für die Dauer der festgelegten Jagdzeiten stehen immer mehrere Lehrprinzen zur Betreuung der Jungjäger vor Ort zur Verfügung. Die Teilnahme wird lediglich durch den Zeitraum der Jagdintervalle begrenzt. Eine Seminareinheit umfasst volle 7 Jagdtage.

WAS

Das tägliche Ansitzen steht im Mittelpunkt der Seminare. Abhängig von der Jagdzeit werden Morgen- und Abendansitz angeboten. Die Jungjäger werden, soweit möglich und abhängig von der Teilnehmerzahl, bis zur Erlegung des ersten Stückes auf allen Ansitzen begleitet. Es besteht damit genügend Gelegenheit, das Ansprechen des Wildes - sowohl des Geschlechtes als auch des Alters nach – und das Verhalten vor und nach dem Schuss intensiv zu üben. Tagsüber wird ansonsten das Programm an die Wetterlage angepasst. Es werden mit jedem Jungjäger mehrere Reviergänge unternommen, bei denen er das Revier kennenlernt. Durch die ruhige Lage des Reviers ist es möglich, auch auf den Reviergängen am Tage zum Schuss zu kommen. Zusätzlich zur Jagd im Niederoderbruch werden Ansitze in den angrenzenden Hochwildrevieren in der Schorfheide angeboten, bei denen das Ansprechen von Rot- und Damwild geübt werden kann. Die Mahlzeiten werden in Abstimmung mit den Ansitzzeiten eingenommen.

Durch den Zusammenschluss mehrere Reviere, die eine gemeinsame Wildkammer mit Zerwirkraum nutzen, können die Jungjäger außerdem in den professionelle Umgang mit dem erlegten Wild eingewiesen werden. Da auch unter Altjägern noch erhebliche Defizite herrschen, wie man Wild sauber aufbricht und versorgt und hohe rechtliche Auflagen an ein ordnungsgemäßen Umgang mit dem Wildbret gestellt sind, liegt uns das Erlernen einer hygienisch einwandfreien Wildfleischversorgung besonders am Herzen: Schwarzwild wird abgeschwartet und Rehwild aus der Decke geschlagen. Anschließend wird gezeigt, wie das Wildbret zerwirkt und portioniert wird, um es küchenfertig anbieten zu können. Soweit Interesse besteht, kann dann auch die Zubereitung eines Wildbraten mit anschließendem Wildessen in das Programm aufgenommen werden.

An mehreren Tagen können die Jungjäger die Arbeit eines Jagdhundeausbilders begleiten: Apportiertraining, Fährtenarbeit, aber auch das Einarbeiten des einfachen Grundgehorsams werden den Jungjägern an der praktischen Hundearbeit vorgeführt. Selbstverständlich besteht für alle Seminarteilnehmer die Möglichkeit, den eigenen Hund mitzubringen. Eventuelle Ausbildungsfragen zum eigenen Hund werden mit Anleitung beantwortet und der Hund kann in dem wasserreichen Revier gearbeitet werden.

Begleitpersonen

Bei vorheriger Ankündigung sind selbstverständlich neben dem vier- auch der zweibeinigen Partner und/oder die ganze Familie herzlich willkommen. Neben der einzigartigen Natur und nichtjäger-tauglichen Programmteilen des Seminars, bieten sich in den Revieren vor allem im Sommer erstaunlich vielfältige Freizeit- und Kulturangebote an, sodass nicht nur dem Jäger ein tagesfüllendes Programm verspricht. Hier entstehen die Mehrkosten durch Unterkunft und Verköstigung je weiterer Person.

Jungjäger, die noch nicht über eine ausreichende Ausrüstung verfügen, können sich beim Jagdverein Lehrprinz e.V. für die Dauer des Seminars die fehlenden Jagdausrüstungsgegenstände leihen. Hierfür wird eine Spende erbeten, die es dem Verein ermöglicht, auch weiteren Jungjägergenerationen eine angemessene Ausrüstung zur Verfügung zu stellen und notwendige Wartungsarbeiten – etwa an den Waffen durch einen Büchsenmacher – durchführen zu lassen.

Anfragen und Anmeldungen werden von

Stefan Fügner
Lehrprinz e.V.
Cöthener Str.26, 16259 Falkenberg
email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Mobil: 0178/6141856
Festnetz: 033458/64247 entgegengenommen.